MEW/18/ME18-675.html

D. Aufzeichnungen und Dokumente
(April 1872 – September 1873)

1

Polizeiterror in Irland

Erklärung des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation

Der nationale Widerspruch zwischen englischen und irischen Arbeitern in England ist bisher eins der Haupthindernisse auf dem Wege jeder Bewegung gewesen, die die Befreiung der Arbeiterklasse anstrebt, und daher eine der Hauptstützen der Klassenherrschaft sowohl in England als auch in Irland. Das Wachstum der Internationale in Irland und die Bildung irischer Zweige in England drohten diesem Stand der Dinge ein Ende zu machen. Es war daher ganz natürlich, daß die britische Regierung versuchen würde, den Aufbau der Internationale in Irland im Keime zu ersticken, indem sie die ganze polizeiliche Schikane praktizierte, die die Ausnahmegesetzgebung und der praktisch permanente Belagerungszustand ihr dort auszuüben ermöglichten. Wie Irland unter der sogenannten Freien Britischen Konstitution in wahrhaft preußischer Weise regiert wird, zeigen folgende Tatsachen:

Auf einem Meeting der Internationale in Dublin hatten ein Sergeant und ein Gemeiner der Polizei in voller Uniform an der Tür des Versammlungslokals Posten bezogen; auf die Frage des Eigentümers, ob sie offiziell geschickt worden wären, bejahte der Sergeant dies und begründete es damit, daß die Internationale einen gefürchteten Namen habe.

In Cork wurde derselbe Kniff angewandt. Zwei Konstabler der Royal Irish Constabulary1 sind am Tage gegenüber der Haustür des Sekretärs der lokalen Föderation postiert und vier nach Einbruch der Dunkelheit, und der Name eines jeden, der ihn aufsucht, wird von ihnen notiert. Ein Unterinspektor hat kürzlich verschiedene Personen aufgesucht, bei denen Mitglieder der Corker Sektion beschäftigt waren, und die Adressen der letzteren gefordert, und viele Personen sind von der „Polizei“ gewarnt worden, daß ihre Namen, falls man sie mit dem Sekretär sprechen sieht, dem „Castle“ mitgeteilt werden – ein Name des Schreckens für die Arbeiterklasse Irlands. In derselben Stadt haben einem eingegangenen Brief zufolge „die Behörden verschiedene Sondersitzungen abgehalten, Polizei ist verstärkt herangezogen worden, und am Ostersonntag standen alle Konstabler unter Waffen mit je zehn Schuß scharfen Patronen. Man erwartete, daß wir ein Meeting im Park abhalten würden; die Behörden versuchen alles, um einen Aufstand zu provozieren.“

Wenn die britische Regierung auf diese Weise fortfährt, kann sie sicher sein, daß ihr die letzten Fetzen der Maske des Liberalismus vom Gesicht gerissen werden. In den Zeitungen der Internationale der ganzen Welt wird der Name des Herrn Gladstone Woche für Woche mit den Namen von Sagasta, Lanza, Bismarck und Thiers zusammen genannt werden.

Im Auftrage des Generalrats:

R. Applegarth, M. Barry, M. J. Boon, F. Bradnick, G. H. Buttery, E. Delahaye, Eugène Dupont, W. Hales, G. Harris, Hurliman, Jules Johannard, C. Keen, Harriet Law, F. Leßner, Lochner, C. Longuet, C. Martin, Zévy Maurice, H. Mayo, G. Milner, Ch. Murray. Pfänder, J. Roach, Rühl, Sadler, Cowell Stepney, A. Taylor, W. Townshend, É. Vaillant, J. Weston, Yarrow.

Korrespondierende Sekretäre:

Leo Frankel für Österreich und Ungarn; A. Herman, Belgien; T. Mottershead, Dänemark; A. Serraillier, Frankreich; Karl Marx, Deutschland und Rußland; C. Rochat, Holland; J. P. Mac Donnel, Irland; F. Engels, Italien und Spanien; Walery Wróblewski, Polen; Hermann Jung, Schweiz; J. G. Eccarius, Vereinigte Staaten; Le Moussu für die französischen Zweige der Vereinigten Staaten; J. Hales, Generalsekretär.

Nach dem Flugblatt.
Aus dem Englischen.

2

[Aufzeichnung einer Rede von Friedrich Engels
über die Lage der Internationale
in Italien und Spanien]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
vom 12. März 1872]

Bürger Engels erklärte, daß der veröffentlichte Bericht über die Sitzung der vergangenen Woche völlig falsch wiedergäbe, was er über Italien gesagt habe. Während er diesen Bericht richtigstellte, ergriff er gleichzeitig die Gelegenheit, seine Darlegungen über die Situation der Internationale in Italien zu vervollständigen. Bisher hatten alle Berichte, die aus diesem Lande eingegangen waren, ob durch die Korrespondenz des Rats oder durch die Zeitungen der italienischen Internationale, letztere so dargestellt, als würde sie einmütig die Lehre von der völligen Enthaltung von politischer Tätigkeit unterstützen und die Konferenz-Resolution über diese Frage ablehnen. Dabei durfte aber nicht vergessen werden, daß bisher sowohl die Korrespondenz als auch die Zeitungen nicht in den Händen von Arbeitern selbst lagen, sondern von Männern bürgerlicher Herkunft: Advokaten, Ärzte, Journalisten etc. Tatsächlich bestand die große Schwierigkeit für den Rat darin, direkte Verbindungen mit den italienischen Arbeitern selbst herzustellen. Dies geschah jetzt in ein oder zwei Orten, und nun stellte sich heraus, daß diese Arbeiter, weit davon entfernt, für die Enthaltung von der Politik begeistert zu sein, im Gegenteil sehr erfreut waren zu hören, daß der Generalrat als Kopf der großen Masse der Internationale dieser Lehre keinesfalls anhängt. So ist zu hoffen, daß auch in dieser Frage sich die italienischen Arbeiter bald in Übereinstimmung mit denen des übrigen Europas und den Vereinigten Staaten befinden. In Spanien war die Internationale in derselben Position. Die Regierung versagte ihren Mitgliedern das Recht zu öffentlichen Versammlungen, mischte sich aber ansonsten nicht ein. Andererseits machten ihnen die bürgerlichen Republikaner die dringendsten Anerbieten, sich ihnen in einer Erhebung gegen die Regierung und die neue Dynastie anzuschließen. Aber die Mitglieder der Internationale waren entschlossen, für ihr eigenes Programm zu kämpfen, wenn sie überhaupt kämpfen sollten.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

3

[Aufzeichnung einer Rede von Friedrich Engels über die Lage der Internationale in Spanien]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 26. März 1872]

Bürger Engels verlas eine Mitteilung, aus der hervorging, daß der Spanische Föderalrat am Vorabend des Ablaufs seiner Amtsperiode dem Generalrat einen ausführlichen Bericht über den Fortschritt und die gegenwärtige Lage der Internationale in Spanien gesandt hatte. Die Assoziation, die in diesem Lande 1869 eingeführt wurde, organisierte sich im Juni 1870 auf einem in Barcelona abgehaltenen Kongreß. Sie war damals noch schwach; aber die Revolution der Pariser Kommune und die beginnenden Verfolgungen durch die Regierung ließen sie bald an Stärke zunehmen, und auf der im September 1871 in Valencia abgehaltenen Konferenz waren bereits dreizehn lokale Föderationen vertreten, und jetzt, am Vorabend des Kongresses der spanischen Internationale, der am 7.April in Saragossa abgehalten werden soll, zählt die Assoziation über siebzig organisierte lokale Föderationen, während in mehr als hundert Orten ein oder mehr Zweige noch damit beschäftigt sind, ihre lokale Organisation zu vervollständigen. Es gibt acht Berufszweige, die Berufsverbände besitzen, welche über ganz Spanien ausgedehnt sind und der Internationale angehören, und augenblicklich sind Verhandlungen im Gange über den Eintritt des großen Verbandes der Fabrikarbeiter, der zwischen 40 000 und 50 000 Mitglieder zählt, in unsere Assoziation. Die Propaganda ist sehr aktiv, das Manifest des Föderalrats wird im ganzen Lande gelesen. Seit der Diskussion über die Internationale im spanischen Parlament druckt die bürgerliche Presse jedes von der Gesellschaft herausgegebene Dokument ab, und das unterstützt wesentlich die sieben oder acht spanischen Zeitungen, die der Internationale angehören und ihre Prinzipien verteidigen. Das hat die spanische Regierung mit all den Verfolgungen erreicht, denen sie die Mitglieder unserer Assoziation unterworfen hat, und jetzt, da Verfolgung und Behinderung zur Regel geworden sind, geht die spanische Internationale daran, trotz der Regierung ihren zweiten öffentlichen Kongreß in Saragossa abzuhalten.

Die Mitglieder wissen kaum, wieviel Marken benötigt würden, da ihre Mitgliedsbeiträge monatlich bezahlt werden. Sie befürchteten, es würde schwierig sein, sie zu verwenden; es hätte ihnen gepaßt, wären monatlich Marken herausgegeben worden.

Der Föderalrat legte ebenfalls eine Adresse an die verschiedenen Föderalräte bei und ersuchte diese und den Generalrat, ihm zur Eröffnung seines Kongresses Telegramme zu übersenden als Zeichen der Solidarität, die die Assoziation zur Pflicht macht.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

4

[Aufzeichnung einer Rede von Friedrich Engels
über den Kongreß in Saragossa]
[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
vom 7. Mai 1872]

[„The Eastern Post“
Nr. 189 vom 12. Mai 1872]

Der Kongreß der spanischen Internationalen zu Saragossa, der Anfang April stattfand, aber dessen Protokolle erst jetzt veröffentlicht werden, endete mit der völligen Niederlage jener kleinen, aber aktiven Fraktion, die unter der Führerschaft Bakunins während der letzten vier Jahre niemals aufgehört hatte, in den Reihen unserer Assoziation Zwietracht hervorzurufen. Diese Fraktion, die in einer internationalen Gesellschaft vereinigt ist, welche sich Allianz der sozialistischen Demokratie nennt, hatte sich bei ihrer Aufnahme in die Internationale Arbeiterassoziation feierlich verpflichtet, ihre separate Organisation aufzulösen und ganz in die Internationale aufzugehen. Aber trotz dieser feierlichen Verpflichtung existierte die Allianz weiter, als eine geheime Gesellschaft innerhalb der Internationale; das erste Beispiel einer geheimen Gesellschaft, die sich nicht gegen die herrschenden Klassen und ihre Regierungen richtete, sondern gegen eben dieselbe proletarische Organisation, in der aufzugehen sie versprochen hatte. In Spanien war es dieser geheimen Gesellschaft eine Zeitlang gelungen, die Internationale zu leiten, aber kurz vor der Konferenz von Valencia (September 1871) entstanden Streitereien in ihren Reihen. Diejenigen ihrer Mitglieder, denen das Interesse der Internationale wirklich mehr am Herzen lag als das einer winzigen sektiererischen Clique, wurden von den Fanatikern und Intriganten der Sekte angegriffen, und der Streit sollte endlich durch den Kongreß von Saragossa beigelegt werden. Hier rückten die treuen Anhänger der Allianz mit einem Plan auf Revision der Statuten heraus, der den Spanischen Föderalrat ebenso behandelte wie es das Zirkular ihrer Bundesgenossen, der Sektierer im Schweizer Jura, gegenüber dem Generalrat getan hatte: beide Räte, und überhaupt alle Räte, sollten aller Attribute der Autorität beraubt und auf bloße Büros für Korrespondenz und Statistik reduziert werden; die Zweigstellen und lokalen Föderationen sollten das Recht haben, solche Satzungen, die sie für gut befanden, anzunehmen, ohne irgendeine Kontrolle seitens des Föderalrats, nur der Zustimmung des nächsten Kongresses unterworfen. Die absolute Autonomie aller Zweigstellen, ihr Recht, alles zu tun, was ihnen beliebte, ihr Recht, alle Statuten und Satzungen zu mißachten, das sollte eingeführt werden; in Wirklichkeit sollte die ganze Assoziation praktisch aufgelöst, ihre Organisation als politische Partei völlig vernichtet, ihre Tätigkeit lahmgelegt werden; und das in einem Augenblick, wo die Internationale in Spanien unter dem Druck der Regierung stand, ihre Versammlungen verboten, die öffentlichen Sitzungen eben dieses Kongresses mit Gewalt unterdrückt wurden und die karlistischen Agitatoren mit der Waffe in der Hand nur auf einen Vorwand lauerten, um die Internationale für einen Aufstand in Saragossa auszunutzen, der in letzter Instanz ihren Zwecken dienen sollte! Überdies wurden solche Vorschläge in einem Augenblicke gemacht, wo die wirklich ausgezeichnete Organisation, welche die Konferenz von Valencia geschaffen hatte, die unerwartetsten Früchte trug, wo die Zahl der offiziell konstituierten lokalen Föderationen von fünfzehn auf fünfundfünfzig angewachsen war, außer den neunzehn, deren Organisation nicht ganz abgeschlossen war, und den vierundneunzig Orten, wo es Zweigstellen, aber noch keine vollständig organisierten lokalen Föderationen gab.

Wenn solche Ergebnisse zugunsten der Statuten, die in Valencia angenommen worden waren, und zugunsten des Föderalrats, der sie in Kraft gesetzt hatte, aufzuweisen waren, was für eine Chance hätten dann die Verfechter eines Systems, das durch die Wiederherstellung eines völlig chaotischen Zustands alles zunichte machen würde, was getan worden war, und jedem Regierungs- oder Polizeia genten oder jeder beliebigen Anzahl bürgerlicher Verräter die Türen der Assoziation öffnen würde?

Der Kongreß erklärte einmütig – nur zwei oder drei Delegierte enthielten sich der Stimme –, daß die Statuten, wie sie in Valencia angenommen worden sind, voll in Kraft bleiben sollen, und somit scheiterte der Versuch vollständig, die Internationale in Spanien unter dem Vorwand zu vernichten, sie vollkommener zu organisieren.

Dieses Resultat ist von großer Bedeutung für unsere ganze Assoziation. Es beweist wieder einmal, daß man nur an den starken gesunden Menschenverstand der Arbeiterklasse, in Spanien so gut wie anderswo, appellieren muß, um die Kniffe und sektiererischen Schliche falscher Reorganisatoren und Pseudo-Propheten zu vereiteln.

Bakunin und seine Anhänger hielten Spanien für ihr Bollwerk, weil sie einige Jahre hindurch die Propaganda in diesem Lande bestimmt hatten.

Aber kaum hatte die proletarische Bewegung ganz Spanien ergriffen, als die spanischen Arbeiter es ablehnten, durch die engen Dogmen einer Sekte gefesselt zu werden und die Organisation, die sie sich selber geschaffen und vervollkommnet hatten, den privaten Zwecken einiger Intriganten zu opfern, die in ihren oft wiederholten Versuchen, die Internationale zu ihrem Werkzeug zu machen, vernichtet worden waren und jetzt alles tun, was in ihrer Macht steht, um sie praktisch aufzulösen.

Es ist sehr wohl bekannt, daß die Föderation des Schweizer Jura – die alles in allem neun Zweigstellen zählt, von denen sich die meisten im Zustande völliger Auflösung befinden – im vergangenen Dezember die sofortige Einberufung eines außerordentlichen allgemeinen Kongresses vorschlug, um die Internationale allgemein nach eben denselben Prinzipien zu reorganisieren, die nun mit solch vielsagender Wirkung dem Kongreß zu Saragossa vorlagen. Von allen lokalen Föderationen in Spanien erklärte sich nur eine, und zwar die von Palma auf Mallorca, für diesen außerordentlichen Kongreß. Und jetzt erklärt in Saragossa der Delegierte eben dieser lokalen Föderation von Palma, daß er ausdrückliche Anweisungen von seinen Wählern habe, gegen diese ganze angebliche Reorganisation und für die einfache Aufrechterhaltung der bestehenden Statuten zu stimmen! Die Abstimmung auf dem Kongreß zu Saragossa bestätigt daher, indem sie die dem Spanischen Föderalrat erteilten Vollmachten bestätigt, indirekt die analogen Vollmachten, die der Baseler Kongreß dem Generalrat der Assoziation übertragen hatte, und die kürzlich in dem Zirkular der Jurassier als unterdrückend und diktatorisch angegriffen wurden.

In Italien werden die Versuche der Aristokratie und der Bourgeoisie, sich als die wahren Repräsentanten der Arbeiterklasse hinzustellen, mit unverminderter Unverschämtheit fortgesetzt. In den letzten Apriltagen wurde ein sogenannter Arbeiterkongreß in Rom in einem der angesehensten Theater der Stadt abgehalten. Der Vorsitz führte Fürst Teano. Die Delegierten waren Fürsten, Herzöge, Marquis, Grafen und ähnliche „Hochgeborene“, Bankiers, Fabrikanten, Mitglieder des Parlaments und einige Krämer. Von wirklichen Arbeitern waren nur acht vertreten. Den Kongreß, der unter dem Beistand und dem besonderen Schutz der Regierung abgehalten wurde, hinderte das nicht, große Reden im Namen der italienischen Arbeiter zu schwingen, einen Haufen Beschlüsse zu fassen und zu erklären, daß die Arbeiter außerordentlich zufrieden und ihren „Vornehmeren“ sehr dankbar wären für das, was diese für sie zu tun sich freundlicherweise herabgelassen hätten; und wenn sie nur ein wenig mehr Kredit und Kooperativgesellschaften erhielten, würden ihre höchsten Wünsche mehr als erfüllt sein. Unglücklicherweise beschlossen die wirklichen Arbeiter Roms, zusammenzukommen und die Berechtigung dieses Kongresses, die italienische Arbeiterklasse zu vertreten, zu diskutieren. Obgleich die Regierung die Erlaubnis verweigerte, die Plakate, die diesen Kongreß einberiefen, an die Mauern kleben zu lassen, kamen große Mengen zusammen und protestierten gegen die Beschlüsse dieses Schandkongresses und erklärten, daß nur die italienischen Arbeiter selber in Übereinstimmung mit denen der übrigen Welt zuständig wären, alle sozialen Fragen, die sie angingen, zu lösen.

Bürger Engels berichtet noch, daß er soeben einen Brief aus Mailand erhalten habe, der über die Angelegenheit, die in der vorigen Woche mitgeteilt worden ist, vollständigere Einzelheiten enthalte. Darin würde noch mitgeteilt, daß die Sektion wegen der Verhaftung einiger Mitglieder gezwungen worden war, die Herausgabe ihrer Zeitung einzustellen. Bürger Engels habe die Statuten der Ferraraer Assoziation geprüft und mit Rücksicht auf die Erklärung über die völlige Übereinstimmung, die zusammen mit den Statuten einging, mache er den Vorschlag, diese zu bestätigen. Es seien klare und praktische Statuten.

Aus dem Englischen.

5

[Aufzeichnung der Rede von Karl Marx
über die Einberufung des Haager Kongresses
und über die Vollmachten des Generalrats]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
vom 11. Juni 1872]

Bürger Marx sagte dann, daß zweifellos die Organisationsfrage der Hauptgegenstand sein würde, der vor den Kongreß gebracht würde. Die Kämpfe, die stattgefunden hätten, hätten dies zur Genüge gezeigt. Bei der Behandlung dieser Frage wäre es gut, das Thema in Abschnitte zu teilen, die einmal den Generalrat, zum anderen die Föderalräte beträfen. Der Vorschlag Bakunins würde einfach den Generalrat in ein statistisches Büro verwandeln, wofür es keines Rats bedürfe. Die Zeitungen könnten alle Informationen erteilen, die gesammelt werden könnten, und es müsse daran erinnert werden, daß bis jetzt noch keine Statistiken zusammengetragen worden sind, obwohl der Generalrat den Sektionen von Zeit zu Zeit dringend die Notwendigkeit vor Augen geführt habe, etwas in dieser Hinsicht zu tun.

Der Vorschlag des Belgischen Föderalrats sei logisch, denn er ging darauf hinaus, den Generalrat abzuschaffen, da er nicht mehr notwendig wäre. Es würde behauptet, daß die Föderalräte alles Notwendige tun könnten. Föderalräte, wurde behauptet, wären und würden in allen Ländern errichtet, und sie könnten die Geschäftsführung in ihre eigenen Hände nehmen. Die „Emancipacion“ von Spanien sagte in ihrer Kritik dieses Vorschlages, daß dies den Tod der Assoziation bedeuten würde, er wäre nicht einmal folgerichtig, da logischerweise die Föderalräte zu gleicher Zeit abgeschafft werden müßten. Trotzdem würde er sich nicht widersetzen, den Vorschlag sowohl als Alternative als auch als Experiment zu akzeptieren. Obgleich er gewiß sei, daß es nur die absolute Notwendigkeit der Wiedereinsetzung des Generalrats demonstrieren würde; wenn die Politik der Stärkung der Macht des Generalrats abgelehnt werden sollte, würde er bereit sein, darauf einzugehen – aber unter keinen Umständen würde er den Vorschlag Bakunins akzeptieren, den Generalrat beizubehalten und ihn zu einem Nichts zu machen.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

6

[Aufzeichnung der Ausführungen von Marx
über das Mandat Barrys]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses
der Internationalen Arbeiterassoziation
vom 3. September 1872]

Marx sagt, es gehe niemand etwas an, wen eine Sektion wähle; übrigens gereiche es Barry zur Ehre, nicht zu den sogenannten Führern der englischen Arbeiter zu gehören, da diese Leute mehr oder weniger von der Bourgeoisie und der Regierung gekauft seien; Barry werde nur angegriffen, weil er Hales nicht als Werkzeug dienen wolle.

Nach der von Cuno angefertigten
Kopie des Protokolls.

7

[Aufzeichnung der Ausführungen von Marx
über das Mandat Shukowskis]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses
der Internationalen Arbeiterassoziation
vom 3. September 1872]

Marx sagt, die Allianz sei anerkannt worden, weil man anfangs ihren geheimen Charakter nicht kannte; der Generalrat wußte wohl, daß die Allianz trotz ihrer offiziellen Auflösungserklärung vom 6. August 1871 noch fortbestand, die Londoner Konferenz konnte jedoch nichts tun, als die bekannten Beschlüsse fassen2; er spreche nicht gegen geheime Gesellschaften als solche, denn er selbst habe dergleichen angehört, sondern gegen geheime Gesellschaften, die der IAA feindlich und schädlich seien. Der Romanische Föderalrat habe heftig gegen Zulassung der fraglichen Sektion protestiert, und infolgedessen habe der Generalrat sie statutengemäß zurückgewiesen. In Brüssel sei es anders. Die dortige französische Sektion schrieb dem Generalrat, daß der Belgische Föderalrat der Ansicht sei, ihr Eintritt in die belgische Organisation würde sie der Polizei in die Hände liefern, der Generalrat konnte daher nicht umhin, diese Sektion als unabhängige anzuerkennen und mit der zweiten ebenfalls in Brüssel existierenden französischen Sektion ebenso zu verfahren.

Nach der von Cuno angefertigten
Kopie des Protokolls.

8

[Aufzeichnung der Ausführungen von Marx
über das Mandat Wests]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses
der Internationalen Arbeiterassoziation
vom 4. September 1872]

Marx beantragte im Namen des Komitees die Annullierung des Westschen Mandates, weil er 1. Mitglied der suspendierten Sektion Nr. 123 sei; 2. Mitglied des Philadelphia-Kongresses und 3. Mitglied des Prince-Street-Councils gewesen sei. Das Mandat Wests sei außerdem unterzeichnet von Victoria Woodhull, welche auf die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten schon seit Jahren spekuliert, Präsidentin der Spiritisten ist, freie Liebe predigt, ein Bankgeschäft hat etc. etc. Sektion 12, gegründet von V[ictoria] Woodhull, bestand anfangs aus fast lauter Bourgeois, agitierte besonders für das Frauenstimmrecht und erließ den famosen Aufruf an die englischredenden Bürger der Vereinigten Staaten, worin die IAA mit allerlei Zeug belastet wurde und auf Grund dessen sich verschiedene ähnliche Sektionen im Lande bildeten; unter anderem war darin die Rede von persönlicher Freiheit, sozialer Freiheit (freier Liebe), Kleiderordnung, Frauenstimmrecht, Universalsprache usw. Sie erklärten am 28. Oktober, daß „die Emanzipation der Arbeiterklasse durch sie selbst“ nur bedeute, die Emanzipation der Arbeiterklasse dürfe nicht gegen den Willen der Arbeiter selbst vollzogen werden. Sie stellten die Frauenfrage der Arbeiterfrage voran und verwahren sich gegen die Annahme, daß die IAA eine Arbeiterorganisation sei. Sektion 1 protestierte gegen dieses Vorgehen der Sektion 12 und verlangte, daß jede Sektion aus wenigstens 2/3 Lohnarbeitern bestehen müßte, weil in Amerika bis jetzt noch jede Arbeiterbewegung durch die Bourgeoisie ausgebeutet worden sei. Sektion 12 verwahrte sich gegen die 2/3 Lohnarbeiter mit der höhnischen Frage: ob es denn ein Verbrechen sei, frei und kein Lohnsklave zu sein? Beide Parteien riefen dann die Entscheidung des Generalrats an, welcher dieselbe am 5. und 12. März gab, d.h. Sektion 12 suspendierte. Aus diesen Gründen könne West nicht zugelassen werden. Trotz der Entscheidung des Generalrats erkannte Sektion 12 diese nicht an. West war auch Mitglied des Philadelphia-Kongresses und des Prince-Street-Councils, welche dem Generalrat ihre Anerkennung verweigerten und mit der Jura-Föderation in Verbindung standen, welche letztere ihnen laut Zeitungsbericht anrieten, dem Generalrat die Zahlungen zu verweigern und ihn so auf das Trockne zu setzen.

Nach der von Cuno angefertigten
Kopie des Protokolls.

9

[Aufzeichnung der Rede von Karl Marx
über die Vollmachten des Generalrats]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses
der Internationalen Arbeiterassoziation
vom 6. September 1872]

Wir verlangen diese Befugnisse nicht für uns, sondern für den künftigen Generalrat; wir wollen den Generalrat lieber abschaffen, als nach der Idee Brismées einen Briefkasten daraus machen; in solchem Falle würden auch Journalisten, d.h. Nichtarbeiter, die Leitung der Assoziation in die Hände bekommen. Er wundert sich, wie die Jura-Föderation und die andern Abstentionisten Sektion 124 unterstützen konnten, da diese Sektion aus der IAA ein Mittel zur Unterstützung einer Bourgeoispoltik machen wollte; wenn man ungläubig über Polizeisektionen lächle, so möge man wissen, daß solche in Frankreich, Österreich u.a. L[ändern] gebildet worden seien, und der Generalrat sei von Österreich aus angegangen worden, keine Sektion anzuerkennen, die nicht durch Delegierte des Generalrats oder die dortige Organisation gegründet sei. Vésinier und Genossen, kürzlich aus der französischen Flüchtlingsschaft exkludiert, seien natürlich für die JuraFöderation; der Belgische Föderalrat sei beim Generalrat so arg verklagt worden wegen seiner Anschuldigungen, Willkürlichkeiten, Nepotismus etc. wie kein anderer Föderalrat, und zwar von belgischen Arbeitern, worüber die Briefe vorlägen. Burschen wie Vésinier, Landeck u.a. bilden meinetwegen zuerst einen Föderalrat, dann hinterher eine Föderation und Sektionen; Bismarcksche Agenten könnten dasselbe tun; der Generalrat muß daher das Recht haben, einen Föderalrat und eine Föderation aufzulösen oder zu suspendieren; dann kommt die Berufung an die Sektionen, die manchmal nicht angemessen sein mag, um zu entscheiden durch des Volkes Stimme, ob ein Föderalrat noch der Ausdruck des Volkswillens sei; in Österreich bilden Schreier, Ultramontane, Radikale und provocateurs Sektionen, um die IAA zu kompromittieren; in Frankreich bildete ein Polizeikommissär eine Sektion; trotzdem ist die Organisation die beste, wo die I[nternationale] verboten ist, weil Verfolgungen stets dies Resultat haben. Der Generalrat könnte schon jetzt eine ganze Föderation suspendieren, indem er eine Sektion nach der andern suspendierte; im Falle der Suspension eines Föderalrats oder einer Föderation setzt sich der Generalrat unmittelbar nachher einer Zurechtweisung, einem Tadel aus und wird daher das Recht einer solchen Suspension nur im äußersten Falle ausüben; ob wir aber dem Generalrat das Recht eines Negerfürsten oder des russischen Zars zugestehen, seine Macht ist doch illusorisch, sobald der Generalrat aufhört, der Ausdruck der Mehrheit der IAA zu sein; der Generalrat hat keine Armee, kein Budget, sondern er ist nur eine moralische Macht und er wird stets ohnmächtig, wenn er nicht die Zustimmung der ganzen Assoziation hat.

Nach der von Cuno angefertigten Kopie des Protokolls.

10

[Aufzeichnung der Rede von Friedrich Engels
über den Sitz des Generalrats]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses
der Internationalen Arbeiterassoziation
vom 6. September 1872]

Engels nimmt das Wort für seinen Antrag, den Generalrat nach New York zu verlegen. Der Generalrat sei bisher immer in London gewesen, weil er dort allein international und seine Papiere sowie seine Mitglieder sicher sein konnten. In New York sind unsere Papiere aber so sicher wie in London, während sie an keinem Platze auf dem Kontinente sicher sind, nicht einmal in Brüssel und Genf, wie man an den dortigen Polizeiangelegenheiten gesehen hat. Die Parteizwistigkeiten seien in London so arg geworden, daß der Sitz verlegt werden müsse. Außerdem seien die Anklagen gegen den Generalrat so heftig und unausgesetzt geworden, daß seine meisten früheren Mitglieder dessen überdrüssig und entschlossen sind, keine Stelle mehr darin anzunehmen. Bestimmt könne er dies erklären für Marx und sich selbst, auch sei der bisherige Generalrat durchaus nicht immer einmütig gewesen, was alle Mitglieder desselben bezeugen könnten. Der Generalrat sei jetzt 8 Jahre lang an einem Orte gewesen, und man müsse einmal wechseln, um einer zu fürchtenden Verknöcherung vorzubeugen. Marx habe aus ähnlichen Gründen schon 1870 beantragt, den Generalrat nach Brüssel zu verlegen, aber alle Föderationen hätten sich damals für das Verbleiben in London ausgesprochen. Wohin solle man nun den Generalrat verlegen? Nach Brüssel? Die Belgier selbst erklären, daß das nicht angehe, weil keine Garantien für Sicherheit der Personen noch der Papiere geboten sei. Nach Genf? Die Genfer verwahren sich entschieden dagegen, teilweise aus demselben Grunde wie die Belgier, und weisen auf die Hinwegnahme der Utinschen Papiere hin. Es bleibt daher kein anderer Ort als New York, dort sind unsere Papiere sicher, wir haben dort eine starke, neue Organisation, dort ist unsere Partei echt international wie an keinem andern Orte in der Welt. Man sehe sich den New-Yorker Föderalrat an, der aus Irländern, Franzosen, Italienern, Schweden, Deutschen und bald auch aus Amerikanern bestehen werde. Der Einwand, daß New York zu fern liege, ist nicht stichhaltig, denn dies wird ein gewisser Vorteil sein für die europäischen Föderationen, welche eifersüchtig gegen Einmischungen des Generalrats in ihre inneren Angelegenheiten sind, da eben die räumliche Entfernung solche Einmischungen erschwert und verhindern wird, daß einzelne Föderationen einen zu großen Einfluß im Generalrat erlangen; außerdem hat ja der Generalrat das Recht und sogar die Pflicht, für gewisse Fälle und Länder Vollmachten in Europa auszustellen, wie er dies ja bisher immer getan hat.

Nach der von Cuno angefertigten
Kopie des Protokolls.

11

[Vollmacht für Karl Marx,
erteilt vom Generalrat in New York]

Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation

Karl Marx, wohnhaft Nr. 1, Maitland Park Road, N. W., London, England, wird hierdurch ermächtigt und beauftragt, alles Eigentum, was es auch sein möge, des alten Generalrats der IAA einzuziehen und es zur Verfügung des Generalrats zu halten.

Alle ehemaligen Mitglieder und Angestellten des alten Generalrats der IAA in London oder anderswo werden gebeten und ersucht, diesen Auftrag zu respektieren und besagtem Karl Marx alle Bücher, Papiere etc., kurz alles, was dem früher in London befindlichen Generalrat gehört oder gehört hat, auszuliefern.

Im Auftrage und im Namen des Generalrats
Der Generalsekretär:
F. A. Sorge

New York, 30. Dezember 1872

Nach der Handschrift.
Aus dem Englischen.

12

[Mandat für Friedrich Engels,
erteilt vom Generalrat in New York]

Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation

Mandat

Friedrich Engels, wohnhaft Nr. 122, Regent's Park Road, London, ist vorläufig zum Vertreter des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation für Italien ernannt. Er ist ermächtigt und beauftragt, im Namen des Generalrats entsprechend den Instruktionen, die er von Zeit zu Zeit erhalten wird, zu handeln.

Im Auftrage und im Namen des Generalrats
Der Generalsekretär:
F. A. Sorge

New York, 5. Januar 1873

Nach der Handschrift.
Aus dem Englischen.

13

Instruktion für den Vertreter des Generalrats
für Italien, Friedrich Engels, London

1. Der Vertreter des Generalrats für Italien hilft mit allen seinen Kräften der Organisation der Internationale in Italien entsprechend den Allgemeinen Statuten und Verwaltungsverordnungen und den Instruktionen des Generalrats; 2. er wacht über den Arbeitercharakter der Bewegung in Italien;

3. in dringenden Fällen entscheidet er provisorisch strittige Fragen in bezug auf die Organisation und die Verwaltung unserer Assoziation in Italien vorbehaltlich einer Appellation an den Generalrat, dem er sofort seinen entsprechenden Bericht zu erstatten hat;

4. ebenso kann er ein Mitglied oder irgendeine Organisation in Italien suspendieren bis zum Eintreffen der Entscheidung des Generalrats, dem er die getroffenen Maßnahmen unter Beifügung der Beweisstücke unverzüglich mitteilt; aber er kann einen direkt vom Generalrat ernannten Bevollmächtigten nicht suspendieren, ohne zuvor vom Generalrat diesbezügliche besondere Instruktionen angefordert und erhalten zu haben;

5. er hat das Recht, befristete und provisorische Mandate an Personen in Italien auszugeben, deren Vollmachten niemals diejenigen der direkt vom Generalrat ernannten Bevollmächtigten überschreiten dürfen, und es ist selbstverständlich, daß alle Mandate und Vollmachten dem Generalrat zur endgültigen Bestätigung vorgelegt werden müssen, durch den sie jederzeit annulliert und widerrufen werden können;

6. er wacht über die regelmäßige Kassierung der Mitgliedsbeiträge und ihre Überweisung an den Generalrat;

7. er hält den Generalrat durch regelmäßige Mitteilungen über die Ereignisse auf dem laufenden und schickt ihm allmonatlich einen ausführlichen Bericht.

Im Auftrage und im Namen des Generalrats
Der Generalsekretär:
F. A. Sorge

New York, den 5. Januar 1873

Nach der Handschrift.
Aus dem Französischen.

14

An alle Mitglieder der Internationalen
Arbeiter-Assoziation

Beschluß des Generalrats vom 26. Januar 1873

[„Der Volksstaat“
Nr. 26 vom 29. März 1873]

In Erwägung, daß laut Artikel 3 der Statuten „der allgemeine Kongreß die gemeinsamen Bestrebungen der Arbeiterklasse verkündet, die für das erfolgreiche Wirken der Internationalen Assoziation notwendigen Maßregeln ergreift und den Generalrat der Gesellschaft ernennt5;

daß laut Kapitel II, § 2 der Verwaltungsverordnungen „der Generalrat gehalten ist, die Kongreßbeschlüsse auszuführen“6;

daß laut Kapitel V, § 1 der Verwaltungsverordnungen „die Sonderstatuten einer der IAA angehörenden Gesellschaft nichts den Allgemeinen Statuten und Verwaltungsverordnungen Widersprechendes enthalten dürfen“7;

in Erwägung, daß keine Gesellschaft oder Person einer Organisation angehören kann, deren Gesetze sie verwirft, also nicht zu gleicher Zeit innerhalb und außerhalb der Organisation stehen kann;

daß im Falle erlittenen Unrechts oder vermeintlichen Schadens jede der IAA angehörige Gesellschaft oder Person das Recht hat, auf dem nächsten allgemeinen Kongreß den Widerruf zu beantragen;

in fernerer Erwägung, daß laut dem Grundsatz der IAA „keine Pflichten ohne Rechte, keine Rechte ohne Pflichten“8 jede das Recht der Beschlußfassung ausübende Gesellschaft oder Person auch die Pflicht der Ausführung der gefaßten Beschlüsse hat;

aus diesen Gründen erklärt der Generalrat:

„Gesellschaften oder Personen, welche sich weigern, die Kongreßbeschlüsse anzuerkennen, oder wissentlich die durch die Statuten und Verwaltungsverordnungen auferlegten Pflichten verabsäumen, stellen sich selbst außerhalb der Internationalen Arbeiter-Assoziation und hören auf, Mitglieder derselben zu sein.“

Der Generalrat:

F. J. Bertrand, Fr. Bolte, C. Carl, S. Dereure, Fornaccieri, S. Kavanagh, C. F. Laurel, E. Levièle, F. A. Sorge, C. Speyer, E. P. Saint-Clair

Der Generalsekretär:
F. A. Sorge

New York, 26. Januar 1873

15
Der Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
an alle Mitglieder derselben

[„Der Volksstaat“
Nr. 51 vom 25. Juni 1873]

In Anbetracht, daß der Kongreß der Belgischen Föderation, abgehalten zu Brüssel am 25. und 26. Dezember 1872, beschlossen hat, die Beschlüsse des 5. allgemeinen Kongresses zu verwerfen9;

in Anbetracht, daß der Kongreß eines Teils der Spanischen Föderation, abgehalten zu Córdoba vom 25. Dezember 1872 bis zum 2. Januar 1873, beschlossen hat, die Beschlüsse des 5. allgemeinen Kongresses zu verwerfen und die Beschlüsse einer antiinternationalen Versammlung anzunehmen;

in Anbetracht, daß eine Versammlung zu London am 26. Januar 1873 beschloß, die Handlungen des 5. allgemeinen Kongresses im Haag zu verwerfen,

erklärt der Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation in Beobachtung der Statuten und Verwaltungsregeln und in Übereinstimmung mit seinem Beschluß vom 26. Januar 187310:

Alle an den oben erwähnten Kongressen und Versammlungen zu Brüssel, Córdoba und London Beteiligten und deren Beschlüsse anerkennenden nationalen und lokalen Föderationen, Sektionen und Individuen haben sich selbst außerhalb der Internationalen Arbeiterassoziation gestellt und aufgehört, Mitglieder derselben zu sein.

Der Generalrat:

F. J. Bertrand, F. Bolte, C. Carl, S. Kavanagh, S. Dereure, C. F. Laurel, F. A. Sorge, C. Speyer

Der Generalsekretär:
F. A. Sorge

New York, 30. Mai 1873

16

Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
[Erklärung über die italienischen Sektionen
der Internationale]

[„Der Volksstaat“
Nr. 51 vom 25. Juni 1873]

Der Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation macht hiermit bekannt, daß eine italienische Landesföderation der Internationalen Arbeiterassoziation nicht besteht, da keine solchen Titel beanspruchende Organisation jemals irgendeine derjenigen Bedingungen erfüllt hat, welche laut Statuten und Verwaltungsregeln der Aufnahme und Anerkennung vorausgehen müssen.

Dagegen bestehen in verschiedenen Teilen Italiens Sektionen der Internationalen Arbeiterassoziation, welche sich in Ordnung und Verbindung mit dem Generalrat befinden.

Im Auftrag und Namen des Generalrats
Der Generalsekretär:
F. A. Sorge

New York, 30. Mai 1873

17

An die Bürger Delegierten des 6. Kongresses
der Internationalen Arbeiterassoziation

London, 3. September 1873

Bürger,

Da der New-Yorker Generalrat dem Kongreß die volle Freiheit lassen wollte, die Verwaltungstätigkeit des Generalrats während des Jahres 1872/1873 zu beurteilen, hatte er beschlossen, keine Delegierten aus seinen Reihen zu schicken, sondern einen Bevollmächtigten in Europa zu wählen und ihn zu beauftragen, dem Kongreß den offiziellen und den internen Bericht, die durch die Statuten vorgeschrieben sind, zu unterbreiten und ihm die Resolutionen zu den auf der Tagesordnung stehenden Fragen vorzulegen. Nachdem ich von den Dokumenten, die mir vom Generalrat übermittelt worden waren, Kenntnis genommen hatte, nahm ich sein Mandat um so lieber an, als ich seine administrativen Handlungen und seine öffentlichen Beschlüsse völlig billige. Indessen machen es mir die aus verschiedenen Ländern im letzten Augenblick erhaltenen Mitteilungen zur Pflicht, an den Arbeiten des Kongresses nicht teilzunehmen. Die heikle Position unserer Mitglieder in diesen Ländern verbietet mir jede ausführliche Darstellung von Einzelheiten. Ich kann nur sagen, daß die Situation in Frankreich – von wo ich persönliche Mandate erhalten habe – nicht gestattet, auf direkte Delegationen zu hoffen, daß es für unsere spanischen Mitglieder in der gegenwärtigen Krise unmöglich ist, ihr Land zu verlassen, da dies von der Masse der Arbeiter als ein Akt der Feigheit ausgelegt würde, daß die Rückwirkung der Ereignisse in Spanien die Verpflichtungen unserer portugiesischen Freunde belastet und ihnen keine andere Wahl läßt als eine indirekte Delegation, und daß schließlich die Polizeischikanen gegen die Internationalen in Italien, die immer neuen Verhaftungen in Deutschland, die gewaltsame Auflösung der Zentralsektion von Kopenhagen und die immer stärker werdenden Repressalien, denen jedwede Bewegung der Arbeiter in Österreich-Ungarn begegnet, eine wahrhaft internationale Vertretung der Arbeiter undurchführbar machen. Ein unter solchen Umständen, die für die Assoziation viel ernster sind als unmittelbar nach dem Fall der Pariser Kommune, abgehaltener Kongreß würde schon durch seine Zusammensetzung einen mehr oder weniger lokalen Charakter haben.

Andererseits hatte der Britische Föderalrat, der politisch gesehen wohl in der günstigsten Lage ist, um sich auf dem Genfer Kongreß vertreten zu lassen, schon seine Delegierten ernannt – Alfred Days, F. Leßner, A. Serraillier –, als er nach Kenntnisnahme der seinem Sekretär durch den Romanischen Föderalrat übersandten Dokumente seine Entschließung aufhob und beschloß, am Kongreß nicht teilzunehmen und dafür die Gründe öffentlich bekanntzugeben.

Selbst wenn es mir die oben dargelegten allgemeinen Gründe nicht zur Pflicht machten, mich jeder Teilnahme an den Arbeiten des Genfer Kongresses zu enthalten, so würden die Tatsachen, die die Entscheidung des Britischen Föderalrats motivieren, bereits genügen und mich hindern, dem Kongreß beizuwohnen, trotz der Mandate, die ich aus Frankreich, Amerika, Portugal etc. erhalten habe.

Ich übersende Ihnen in der Anlage die Dokumente, die ich vom Generalrat erhalten habe.

Mit brüderlichem Gruß
A. Serraillier

Nach der Handschrift von Engels.
Aus dem Französischen.

Quelle: Marx/Engels: Werke, Bd. 18, Berlin: Dietz Verlag 1962, S. 675-698.