MEW/18/ME18-519.html

Friedrich Engels
Flüchtlingsliteratur

Geschrieben Mai 1874 bis April 1875.

Der vorliegende Abdruck (Artikel I–V) fußt auf der Veröffentlichung
im „Volksstaat“.

Die Artikel I, II und V wurden mit dem Text der Wiederveröffentlichung in der Broschüre
„Internationales aus dem ‚Volksstaat‘ (1871–75)“, Berlin 1894, verglichen. Auf wesentliche
Abweichungen gegenüber der Erstveröffentlichung im „Volksstaat“ wird in Fußnoten bzw.
Anmerkungen verwiesen.

Der Artikel V erschien 1875 in Leipzig
als Broschüre unter dem Titel „Soziales aus Rußland“.

I
Eine polnische Proklamation

[„Der Volksstaat“
Nr. 69 vom 17. Juni 1874]

Als der Kaiser von Rußland in London ankam, war dort bereits die ganze Polizei in Bewegung. Es hieß, die Polen wollten ihn erschießen, der neue Berezowski sei bereits gefunden und besser bewaffnet als damals in Paris. Man umstellte die Häuser bekannter Polen mit Polizisten in Zivil, ja, man ließ sich von Paris den Polizeikommissar kommen, der dort unter dem Kaiserreich die Polen speziell überwacht hatte. Die Polizeimaßregeln auf der Route des Zars von seiner Wohnung bis in die City waren förmlich nach strategischen Grundsätzen angeordnet – und alle diese Mühe umsonst! Kein Berezowski zeigte sich, kein Pistolenschuß fiel, und der nicht minder als seine Tochter zitternde Zar kam mit dem Schrecken davon. Ganz umsonst war die Mühe indes doch nicht, denn der Kaiser ließ jedem für ihn tätigen Polizeisuperintendenten fünf und jedem Inspektor zwei Pfund Sterl. (je 33 und 14 Tlr.1) als Trinkgeld zahlen.

Die Polen dachten inzwischen an ganz andere Dinge als den Mord des edlen Alexander. Die Gesellschaft „Das polnische Volk“ erließ eine „Adresse der polnischen Flüchtlinge an das englische Volk“, unterzeichnet: General W. Wróblewski, Präsident, J. Kryński, Sekretär. Diese Adresse wurde in London während der Anwesenheit des Zaren massenhaft verbreitet. Mit Ausnahme von „Reynolds Newspaper“ verweigerte ihr die Londoner Presse einstimmig die Aufnahme: man dürfe den „Gast Englands“ nicht beleidigen!

Die Adresse fängt damit an, die Engländer darauf hinzuweisen, daß der Zar ihnen nicht eine Ehre, sondern eine Beleidigung antut, wenn er sie in demselben Augenblick besucht, wo er in Zentralasien alles vorbereitet, um die englische Herrschaft in Indien zu stürzen; und daß, wenn England, statt den Lockungen des Zaren zu lauschen, dieses angeblichen Vaters der Völker, die er unterdrückt, gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Polen weniger gleichgültig wäre, England sowohl wie das übrige Westeuropa seine kolossalen Rüstungen ruhig einstellen könnte. Und dies ist ganz richtig. Der Hintergrund des ganzen europäischen Militarismus ist der russische Militarismus. Im Krieg 1859 auf seiten Frankreichs, 1866 und 1870 auf seiten Preußens als Reserve stehend, hat die russische Armee es der jedesmaligen ersten Militärmacht möglich gemacht, ihren Gegner vereinzelt niederzuschlagen. Preußen als erste europäische Militärmacht ist direkt ein Geschöpf Rußlands, wenn auch seitdem seinem Schutzpatron unangenehm über den Kopf gewachsen.

Die Adresse fährt fort:

„Kraft seiner geographischen Lage und seiner Bereitschaft, jeden Augenblick für die Sache der Menschheit einzustehen, war Polen stets und wird stets sein der erste Vorkämpfer des Rechts, der Zivilisation und der gesellschaftlichen Entwicklung in ganz Nordosteuropa. Dies hat Polen unumstößlich bewiesen durch seine Jahrhunderte des Widerstands gegen die Einfälle der Ostbarbaren auf der einen Seite und gegen die damals fast den ganzen Westen unterdrückende Inquisition auf der andern. Wie kam es, daß die Völker Westeuropas sich gerade in der entscheidendsten Epoche der neueren Zeit ungestört der Entwicklung ihrer sozialen Lebenskräfte hingeben konnten? Weil und nur weil an den Ostmarken Europas der polnische Soldat auf Posten stand, stets wachsam, stets schußfertig, stets bereit, seine Gesundheit, seine Habe, sein Leben in die Schanze zu schlagen. Dem Schutze der polnischen Waffen verdankt Europa die Möglichkeit, daß sein im sechzehnten Jahrhundert neu erwachendes Leben in Kunst und Wissenschaft sich fortentwickeln, Handel, Industrie und Reichtum ihre jetzige staunenswerte Höhe erreichen konnten. Was zum Beispiel wäre aus der dem Westen durch zweihundertjährige Arbeit erworbenen Verlassenschaft an Zivilisation geworden, hätte nicht Polen, obgleich selbst im Rücken durch mongolische Horden bedroht, dem Zentrum Europas Hülfe gegen die Türken gebracht und durch den glänzenden Sieg unter den Mauern Wiens die Macht der Osmanen gebrochen?“2

Die Adresse entwickelt weiter, wie es auch heute noch wesentlich der Widerstand Polens ist, der Rußland verhindert, seine Kräfte gegen den Westen zu wenden, und der es sogar fertiggebracht hat, die gefährlichsten Alliierten Rußlands, seine panslawistischen Agenten, zu entwaffnen. Der berühmteste russische Historiker, Pogodin, sagt in einer auf Befehl und Kosten der russischen Regierung gedruckten Schrift, Polen, bisher der Pfahl im Fleisch Rußlands, müsse dessen rechte Hand werden, indem man es als kleines, schwaches Königreich unter einem russischen Prinzen wiederherstelle – damit fange man am besten die türkischen und österreichischen Slaven:

„Wir werden dies in einem Manifest ankündigen, England und Frankreich werden sich die Lippen beißen, und für Östreich ist es der Todesstoß... Alle Polen, selbst die unversöhnlichsten, werden in unsere Arme stürzen; die östreichischen und preußischen Polen werden sich ihren Brüdern wieder anschließen. Alle slawischen Stämme sind jetzt von Östreich unterdrückt, Tschechen, Kroaten, Ungarn (1), bis zu den türkischen Slawen herab, werden den Augenblick ersehnen, wo sie ebenso frei aufatmen können, wie dann die Polen. Wir werden ein Geschlecht von hundert Millionen sein unter einem Zepter, und dann, ihr Völker Europas, kommt und versucht eure Stärke an uns!“

Leider fehlte an diesem schönen Plan nur die Hauptsache: die Einwilligung Polens. Aber

„auf alle diese Verlockungen – die Welt weiß es – antwortete Polen: Ich will und muß leben, soll ich überhaupt leben, nicht als Werkzeug der Welteroberungspläne eines fremden Zaren, sondern als freies Volk unter den freien Völkern Europas.“

Die Adresse führt dann weiter aus, wie Polen diesen seinen unerschütterlichen Entschluß bestätigt hat. Im kritischen Augenblick seiner Existenz, bei Ausbruch der Französischen Revolution, war Polen bereits durch die erste Teilung verstümmelt und unter vier Staaten verteilt. Dennoch hatte es den Mut, durch die Verfassung vom 3. Mai 1791 das Banner der Französischen Revolution an der Weichsel aufzupflanzen – eine Tat, wodurch es sich weit über alle seine Nachbarn stellte. Die alte polnische Wirtschaft war damit vernichtet; einige Jahrzehnte ruhiger, von außen ungestörter Entwicklung, und Polen wurde das fortgeschrittenste und mächtigste Land östlich des Rheins. Aber den Teilungsmächten konnte es nicht passen, daß Polen wieder aufkomme, und noch weniger, daß es aufkomme durch Einbürgerung der Revolution im Nordosten Europas. Sein Schicksal war besiegelt: Die Russen setzten in Polen durch, was Preußen, Östreicher und Reichstruppen vergebens in Frankreich versuchten.

„Kościuszko kämpfte gleichzeitig für die Unabhängigkeit Polens und für das Prinzip der Gleichheit. Und es ist weltbekannt, daß von dem Augenblick des Untergangs seiner nationalen Selbständigkeit an, und trotz dieses Untergangs, Polen, kraft seiner Vaterlandsliebe wie kraft seiner Solidarität mit allen für die Sache der Menschheit streitenden Völkern, der vorderste Vorkämpfer des – wo auch immer – verletzten Rechts war, auf jedem Schlachtfeld mitstreitend, wo Tyrannei bekämpft wurde. Ungebrochen durch seine eigenen Mißgeschicke, unbeirrt durch die Blindheit und den bösen Willen der europäischen Regierungen, hat Polen die ihm durch es selbst, durch die Geschichte und durch die Rücksicht auf die Zukunft auferlegten Pflichten keinen Augenblick vernachlässigt.“

Gleichzeitig aber hat es auch die Prinzipien entwickelt, nach denen diese Zukunft, die neue polnische Republik, organisiert werden soll; sie sind niedergelegt in den Manifesten von 1836, 1845 und 1863.

„Das erste dieser Manifeste proklamiert neben dem unerschütterlichen nationalen Recht Polens zugleich die Gleichberechtigung der Bauern. Das von 1845, auf polnischem Boden, in der damals noch freien Stadt Krakau verkündigt und durch Abgeordnete aller Teile Polens bestätigt, spricht nicht nur diese Gleichberechtigung aus, sondern auch den Satz, daß die Bauern Eigentümer des Bodens werden sollen, den sie seit Jahrhunderten bebauen. – In dem moskowitischen Raubanteile3 haben die Grundbesitzer, auf obige Manifeste als Grundlagen des polnischen nationalen Rechts gestützt, lange vor der kaiserlichen sogenannten Emanzipations-Proklamation beschlossen, diese auf ihrem Gewissen lastende innere Angelegenheit freiwillig und durch Übereinkunft mit den Bauern auszugleichen (1859–1863). Die polnische Landfrage war im Prinzip gelöst durch die Verfassung vom 3. Mai 1791; wenn dennoch der polnische Bauer unterdrückt blieb, so war dies lediglich die Schuld des Despotismus und Machiavellismus des Zaren, der seine Herrschaft auf die Verfeindung von Grundbesitzern und Bauern stützte. Und dieser Beschluß wurde gefaßt lange vor der kaiserlichen Proklamation vom 18. Februar 1861; und diese von ganz Europa beklatschte, angeblich die Gleichberechtigung der Bauern herstellende Proklamation war nur der Deckmantel für einen der immer wiederkehrenden Versuche des Zaren, sich fremdes Gut anzueignen. Das polnische Landvolk ist unterdrückt nach wie vor, aber – der Zar ist Eigentümer des Bodens geworden! Und zur Strafe für den blutigen Protest, den Polen 1863 gegen die heimtückische Barbarei seiner Bedrücker erhob, hat es eine Reihe brutaler Mißhandlungen zu erdulden gehabt, vor der selbst die Tyrannei vergangener Jahrhunderte schaudern müßte.“

„Und doch war weder das grausame Joch des Zaren, obwohl es jetzt ein volles Jahrhundert auf ihm lastet, noch die Gleichgültigkeit Europas imstande, Polen zu töten. Wir haben gelebt und wir werden leben, kraft unseres eigenen Willens, unserer eigenen Stärke und unserer eigenen sozialen und politischen Entwicklung, die uns hoch über unsere Bedrücker stellt; denn deren Existenz hat zur ersten und letzten Grundlage die brutale Gewalt, das Gefängnis und den Galgen, und ihre wesentlichen Aktionshebel nach außen sind unterirdische Machinationen, verräterische Überfälle und schließlich gewaltsame Eroberung.“

Verlassen wir jetzt die durch obige Auszüge hinreichend gekennzeichnete Adresse, um daran einige Bemerkungen über die Wichtigkeit der polnischen Frage für die deutschen Arbeiter zu knüpfen.

Sosehr Rußland sich auch seit Peter dem Großen entwickelt hatte, sosehr sein Einfluß in Europa gewachsen war (wozu Friedrich II. von Preußen, obwohl genau wissend, woran er war, keinen geringen Teil beitrug), so blieb es doch wesentlich eine ebenso außereuropäische Macht wie z.B. die Türkei, bis zu dem Augenblick, wo es sich Polens bemächtigte. 1772 war die erste Teilung Polens; 1779 schon verlangte4 Rußland im Teschener Frieden das verbriefte Recht der Einmischung in die deutschen Angelegenheiten. Das hätte den deutschen Fürsten eine Lehre sein sollen; trotzdem gingen Friedrich Wilhelm II., er, der einzige Hohenzoller, der je der russischen Politik ernsten Widerstand entgegensetzt, und Franz II. auf die völlige Vernichtung Polens ein. Nach den napoleonischen Kriegen nahm Rußland noch dazu den Löwenanteil der früheren preußisch- und österreichisch-polnischen Provinzen und trat nun unverhüllt als Schiedsrichter Europas auf, eine Rolle, die es bis 1853 ununterbrochen fortsetzte. Preußen war ordentlich stolz darauf, vor Rußland kriechen zu dürfen; Österreich folgte widerwillig, aber im entscheidenden Moment stets nachgebend aus Furcht vor der Revolution, gegen die der Zar doch immer der letzte Rückhalt blieb. So wurde Rußland der Hort der europäischen Reaktion, ohne sich dabei das Vergnügen zu versagen, in Österreich und der Türkei fernere Eroberungen durch panslawistische Aufhetzereien vorzubereiten. Während der Revolutionsjahre war die Niederschlagung der Ungarn durch Rußland eine ebenso entscheidende Tatsache für Ost- und Mitteleuropa, wie es die Pariser Junischlacht für den Westen gewesen war; und als Kaiser Nikolaus bald darauf in Warschau über den König von Preußen und den Kaiser von Österreich zu Gericht saß, da war mit der Herrschaft Rußlands auch die Herrschaft der Reaktion über Europa besiegelt. Der Krimkrieg befreite den Westen und Österreich von der Insolenz des Zaren; Preußen und die deutschen Kleinstaaten krochen um so williger vor ihm; aber schon 1859 züchtigte er die Österreicher für ihren Ungehorsam, indem er dafür sorgte, daß seine deutschen Vasallen nicht Partei für sie nahmen, und 1866 vollendete Preußen die Züchtigung Österreichs. Wir sahen schon oben, daß die russische Armee den Vorwand und Rückhalt des gesamten europäischen Militarismus bildet. Nur weil Nikolaus 1853 im Vertrauen auf seine – freilich großenteils nur auf dem Papier existierende – Million Soldaten den Westen herausgefordert, erhielt Louis-Napoleon durch den Krimkrieg den Vorwand, die damals ziemlich geschwächte französische Armee zur stärksten Europas zu machen. Nur dadurch, daß 1870 die russische Armee Österreich verhinderte, für Frankreich Partei zu ergreifen, konnte Preußen Frankreich besiegen und die preußisch-deutsche Militärmonarchie vollenden. Bei allen diesen Haupt- und Staatsaktionen sehen wir im Hintergrund die russische Armee. Und wenn auch – sofern nicht die innere Entwicklung Rußlands bald in revolutionären Fluß gerät – der Sieg Deutschlands über Frankreich ebenso sicher einen Krieg zwischen Rußland und Deutschland erzeugen wird, wie der Sieg Preußens über Östreich bei Sadowa den Deutsch-Französischen Krieg nach sich zog(1) – so wird doch gegen eine Bewegung im Innern den Preußen stets die russische Armee zu Diensten stehen. Noch heute ist das offizielle Rußland der Hort und Schirm der gesamten europäischen Reaktion, seine Armee die Reserve aller übrigen Armeen, die die Niederhaltung der Arbeiterklasse in Europa besorgen.

Nun sind es aber grade die deutschen Arbeiter, die dem Anprall dieser großen Reservearmee der Unterdrückung zuerst ausgesetzt sind, und zwar sowohl im sog. Deutschen Reich wie in Östreich. Solange hinter der österreichischen und deutschen Bourgeoisie und Regierung die Russen stehen, ist der ganzen deutschen Arbeiterbewegung die Spitze abgebrochen. Wir vor allen haben also das Interesse, uns die russische Reaktion und die russische Armee vom Halse zu schaffen.

Und bei dieser Arbeit haben wir nur einen zuverlässigen, aber auch unter allen Umständen zuverlässigen Bundesgenossen: das polnische Volk.

Polen ist noch weit mehr als Frankreich durch seine geschichtliche Entwicklung und seine gegenwärtige Lage vor die Wahl gestellt: entweder revolutionär zu sein oder unterzugehen. Und damit fällt all das alberne Gerede von dem wesentlich aristokratischen Charakter der polnischen Bewegung. Es gibt in der polnischen Emigration Leute genug, die aristokratische Gelüste haben; sowie aber Polen selbst in die Bewegung eintritt, wird diese durch und durch revolutionär, wie wir 1846 und 1863 gesehen haben. Diese Bewegungen waren nicht nur national, sie waren gleichzeitig direkt auf Befreiung der Bauern und Übertragung des Grundeigentums an diese gerichtet. 1871 trat die große Masse der polnischen Emigration in Frankreich in die Dienste der Kommune; war das die Tat von Aristokraten? Bewies das nicht, daß diese Polen vollständig auf der Höhe der modernen Bewegung standen? Seit Bismarck den Kulturkampf in Posen5 eingeführt hat und unter dem Vorwand, dem Papst dadurch einen Streich zu spielen, auf polnische Schulbücher fahndet, die polnische Sprache unterdrückt und alles aufbietet, um die Polen in die Arme Rußlands zu treiben, was geschieht? Die polnische Aristokratie schließt sich mehr und mehr an Rußland an, um unter seiner Herrschaft wenigstens Polen wieder zusammenzubringen; die revolutionären Massen antworten, indem sie der deutschen Arbeiterpartei ihre Allianz anbieten und in den Reihen der Internationale kämpfen.

Daß Polen nicht totzumachen ist, hat es 1863 bewiesen und beweist es noch jeden Tag. Sein Anspruch auf selbständige Existenz in der europäischen Völkerfamilie ist unabweisbar. Seine Wiederherstellung aber ist eine Notwendigkeit namentlich für zwei Völker: für die Deutschen und für die Russen selbst.

Ein Volk, das andere unterdrückt, kann sich nicht selbst emanzipieren. Die Macht, deren es zur Unterdrückung der andern bedarf, wendet sich schließlich immer gegen es selbst. Solange russische Soldaten in Polen stehen, kann das russische Volk sich weder politisch noch sozial befreien. Bei dem jetzigen Stand der russischen Entwicklung aber ist es unzweifelhaft, daß an dem Tage, wo Rußland Polen verliert, in Rußland selbst die Bewegung mächtig genug wird, die bestehende Ordnung der Dinge zu stürzen. Unabhängigkeit Polens und Revolution in Rußland bedingen sich gegenseitig. Und Unabhängigkeit Polens und Revolution in Rußland – die bei der grenzenlosen gesellschaftlichen, politischen und finanziellen Zerrüttung und der das ganze offizielle Rußland durchdringenden Korruption weit näher ist, als die Oberfläche anzeigt – bedeuten für die deutschen Arbeiter: Beschränkung der Bourgeoisie, der Regierungen, kurz der Reaktion in Deutschland auf ihre eigenen Kräfte – Kräfte, mit denen wir dann mit der Zeit schon fertig werden.

Quelle: Marx/Engels: Werke, Bd. 18, Berlin: Dietz Verlag 1962, S. 519-527.