II
Program der blanquistischen Kommuneflüchtlinge
["Der Volksstaat"
Nr. 73 vom 26. Juni 1874]
Nach jeder gescheiterten Revolution oder Konterrevolution entwickelt sich unter den ins Ausland entkommenen Flüchtlingen eine fieberhafte Tätigkeit. Die verschiedenen Parteischattierungen gruppieren sich, klagen sich gegenseitig an, den Karren in den Dreck gefahren zu haben, beschuldigen einander des Verrats und aller möglichen sonstigen Todsünden. Dabei bleibt man mit der Heimat in reger Verbindung, organisiert, konspiriert, druckt Flugblätter und Zeitungen, schwört darauf, daß es in vierundzwanzig Stunden wieder losgeht, daß der Sieg gewiß ist, und verteilt im Hinblick hierauf schon die Regierungsämter. Natürlich folgt Enttäuschung auf Enttäuschung, und da man diese nicht den unvermeidlichen historischen Verhältnissen, die man nicht verstehen will, sondern zufälligen Fehlern einzelner zuschreibt, so häufen sich die gegenseitigen Anklagen, und das Ganze endigt in einem allgemeinen Krakel. Das ist die Geschichte aller Flüchtlingsschaften von den royalistischen Emigrierten von 1792 bis auf den heutigen Tag; und wer unter den Flüchtlingen Verstand und Einsicht hat, der zieht sich von dem unfruchtbaren Gezänk zurück, sobald es mit Anstand geschehen kann, und treibt etwas Besseres.
Die französische Emigration nach der Kommune ist diesem unvermeidlichen Schicksal ebenfalls nicht entgangen. Durch die europäische Verleumdungskampagne, die alle gleichmäßig angriff, und in London speziell durch den gemeinsamen Mittelpunkt, den sie im Generalrat der Internationalen fand, eine Zeitlang genötigt, ihre inneren Zwistigkeiten wenigstens vor der Welt zu unterdrücken, war sie in den letzten zwei Jahren nicht mehr imstande, den immer rascher fortschreitenden Zersetzungsprozeß zu verheimlichen. Der offene Streit brach allenthalben los. In der Schweiz schloß sich ein Teil an die Bakunisten an, wesentlich beeinflußt von Malon, der selbst einer der Stifter der geheimen Allianz war. Dann zogen sich in London die sogenannten Blanquisten von den Internationalen zurück und bildeten eine Gruppe für sich unter dem Titel: Die revolutionäre Kommune. Daneben erstanden später eine Menge anderer Gruppen, die aber in fortwährender Umbildung und Umschmelzung begriffen bleiben und auch in Manifesten nichts Erkleckliches geleistet haben, während die Blanquisten soeben in einer Proklamation an die „Communeux“ ihr Programm zur Kenntnis aller Welt bringen.
Diese Blanquisten heißen so nicht etwa als eine von Blanqui gestiftete Gruppe – nur ein paar der 33 Unterzeichner dieses Programms haben wohl je mit Blanqui gesprochen –, sondern weil sie in seinem Geiste und nach seiner Tradition tätig sein wollen. Blanqui ist wesentlich politischer Revolutionär, Sozialist nur dem Gefühl nach, mit den Leiden des Volks sympathisierend, aber er hat weder eine sozialistische Theorie noch bestimmte praktische Vorschläge sozialer Abhülfe. In seiner politischen Tätigkeit war er wesentlich „Mann der Tat“, des Glaubens, daß eine kleine wohlorganisierte Minderzahl, die im richtigen Moment einen revolutionären Handstreich versucht, durch ein paar erste Erfolge die Volksmasse mit sich fortreißen und so eine siegreiche Revolution machen kann. Diesen Kern konnte er unter Louis-Philippe natürlich nur als geheime Gesellschaft organisieren, und da passierte denn, was gewöhnlich bei Verschwörungen passiert: Die Leute, überdrüssig des ewigen Hinhaltens mit leeren Versprechungen, es werde nun bald losgehen, verloren zuletzt ganz die Geduld, wurden rebellisch, und so blieb nur die Wahl: entweder die Verschwörung zerfallen zu lassen oder ohne allen äußeren Anlaß loszuschlagen. Man schlug los (12. Mai 1839) und wurde im Nu erdrückt. Übrigens war diese Blanquische Verschwörung die einzige, in der die Polizei nie Fuß fassen konnte; der Schlag kam ihr wie aus heiterm Himmel. – Daraus, daß Blanqui jede Revolution als den Handstreich einer kleinen revolutionären Minderzahl auffaßt, folgt von selbst die Notwendigkeit der Diktatur nach dem Gelingen: der Diktatur, wohlverstanden, nicht der ganzen revolutionären Klasse, des Proletariats, sondern der kleinen Zahl derer, die den Handstreich gemacht haben und die selbst schon im voraus wieder unter der Diktatur eines oder einiger wenigen organisiert sind.
Man sieht, Blanqui ist ein Revolutionär der vorigen Generation. Diese Vorstellungen vom Gang revolutionärer Ereignisse sind wenigstens für die deutsche Arbeiterpartei längst veraltet und werden auch in Frankreich nur bei den weniger reifen oder bei den ungeduldigeren Arbeitern noch Anklang finden können. Auch werden wir finden, daß sie im vorliegenden Programm gewissen Beschränkungen unterworfen werden. Aber auch bei unsern Londoner Blanquisten geht als Grundsatz durch: daß Revolutionen überhaupt nicht sich selbst machen, sondern gemacht werden; daß sie gemacht werden von einer verhältnismäßig geringen Minderzahl und nach einem vorher entworfenen Plan; und endlich, daß es jederzeit „bald losgeht“. Mit solchen Grundsätzen ist man natürlich sämtlichen Selbsttäuschungen des Flüchtlingtums unrettbar preisgegeben und muß man sich aus einer Torheit in die andre stürzen. Man will vor allem Blanqui, „Mann der Tat“, spielen. Aber mit dem guten Willen ist hier wenig ausgerichtet; den revolutionären Instinkt, die rasche Entschlossenheit Blanquis hat nun einmal nicht jeder, und Hamlet mag noch so viel von Energie reden, er bleibt immer Hamlet. Und wenn nun gar unsere dreiunddreißig Männer der Tat auf dem Gebiet dessen, was sie Tat nennen, absolut nichts zu tun vorfinden, so kommen unsere dreiunddreißig Brutusse in einen mehr komischen als tragischen Widerspruch mit sich selbst, einen Widerspruch, dessen Tragik keineswegs erhöht wird durch das finstere Ansehen, mit dem sie sich umgeben, als wären sie lauter „Möros, den Dolch im Gewande“, was ihnen beiläufig gar nicht einfällt. Was können sie tun? Sie präparieren das nächste „Losgehen“, indem sie Proskriptionslisten für die Zukunft aufstellen, damit die Reihe der Leute, die an der Kommune teilgenommen, gereinigt (épurgé) werde, weshalb sie auch bei den andern Flüchtlingen die Reinen (les purs) heißen. Ob sie sich selbst diesen Titel beilegen, ist mir nicht bekannt, er würde auch verschiedenen unter ihnen ziemlich schief sitzen. Ihre Sitzungen sind geschlossen und ihre Beschlüsse sollen geheimgehalten werden, was aber durchaus nicht verhindert, daß am nächsten Morgen das ganze französische Viertel davon widerhallt. Und wie es solchen ernsten Männern der Tat, wo nichts zu tun ist, immer geht: Sie haben sich in einen erst persönlichen, dann literarischen Streit eingelassen mit einem würdigen Gegner, einem der anrüchigsten Leute der kleinen Pariser Presse, einem gewissen Vermersch, der unter der Kommune den „Père Duchêne“, eine Jammerkarikatur des Hébertschen Blatts von 1793, herausgab. Dieser Edle antwortet auf ihre sittliche Entrüstung, indem er sie in einem Pamphlet sämtlich für „Spitzbuben oder Mitschuldige von Spitzbuben“ erklärt und mit einer seltenen Fülle von Abtrittsschimpfwörtern überschüttet:
Jedes Wort
Ist ein Nachttopf, und kein leerer.
Und mit einem solchen Gegner finden es unsere dreiunddreißig Brutusse für nötig, sich vor dem Publikum herumzubalgen!
Wenn etwas sicher ist, so ist es doch wohl dies, daß das Pariser Proletariat nach dem erschöpfenden Krieg, nach der Aushungerung von Paris und namentlich nach dem furchtbaren Aderlaß der Maitage 1871 eine geraume Zeit der Ruhe nötig hat, um wieder Kräfte anzusammeln, und daß jeder verfrühte Versuch einer Erhebung nur eine neue, vielleicht noch furchtbarere Niederlage zur Folge haben kann. Unsere Blanquisten sind andrer Ansicht. Der Zerfall der monarchischen Majorität in Versailles verkündet ihnen
„den Fall von Versailles, die Revanche der Kommune. Denn wir kommen zu einem jener großen geschichtlichen Augenblicke, zu einer jener großen Krisen, wo das Volk, während es in seinem Elend unterzugehen und dem Tode zu verfallen scheint, mit neuer Kraft seinen revolutionären Vormarsch wieder antritt.“
Es geht also wieder los, und zwar alsbald. Diese Hoffnung auf sofortige „Revanche der Kommune“ ist nicht bloße Flüchtlingsillusion, sie ist notwendiger Glaubensartikel bei Leuten, die sich mit Gewalt in den Kopf setzen, „Männer der Tat“ zu spielen zu einer Zeit, wo es in ihrem Sinn, dem Sinn des revolutionären Losschlagens, absolut nichts zu tun gibt. Einerlei. Da es losgeht, scheint ihnen „der Moment gekommen, daß alles in der Flüchtlingsschaft, was noch Leben in sich hat, sich erkläre“. Und somit erklären uns die 33, daß sie sind 1. Atheisten, 2. Kommunisten, 3. Revolutionäre.
Unsere Blanquisten haben mit den Bakunisten das gemein, daß sie die am allerweitesten gehende, extremste Richtung vertreten wollen. Weswegen sie auch, beiläufig gesagt, obwohl in den Zielen jenen entgegengesetzt, dennoch in den Mitteln oft mit ihnen zusammengehen. Es handelt sich also darum, in Beziehung auf den Atheismus radikaler zu sein als alle andern. Atheist zu sein, ist heutzutage glücklicherweise keine Kunst mehr. Der Atheismus ist so ziemlich selbstverständlich bei den europäischen Arbeiterparteien, obwohl er in gewissen Ländern oft genug beschaffen sein mag wie der jenes spanischen Bakunisten, der sich dahin erklärte: an Gott zu glauben, das sei gegen allen Sozialismus, aber an die Jungfrau Maria, das sei ganz was andres, an die müsse ein ordentlicher Sozialist natürlich glauben. Von den deutschen sozialdemokratischen Arbeitern1 kann man sogar sagen, daß der Atheismus bei ihnen sich schon überlebt hat; dies rein negative Wort hat auf sie keine Anwendung mehr, indem sie nicht mehr in einem theoretischen, sondern nur noch in einem praktischen Gegensatz zum Gottesglauben stehen: Sie sind mit Gott einfach fertig, sie leben und denken in der wirklichen Welt und sind daher Materialisten. Dies wird in Frankreich auch wohl der Fall sein. Aber wenn nicht, so wäre doch nichts einfacher, als dafür zu sorgen, daß die prachtvolle französische materialistische Literatur des vorigen Jahrhunderts massenhaft unter den Arbeitern verbreitet würde, jene Literatur, in der der französische Geist nach Form und Inhalt bisher sein Höchstes geleistet hat und die – den damaligen Stand der Wissenschaft berücksichtigt – dem Inhalt nach auch heute noch unendlich hochsteht und der Form nach nie wieder erreicht worden ist. Aber das kann unsern Blanquisten nicht passen. Um zu beweisen, daß sie die Allerradikalsten sind, wird Gott, wie 1793, durch Dekret abgeschafft:
„Die Kommune möge auf ewig die Menschheit befreien von diesem Gespenst des vergangenen Elends“ (Gott), „von dieser Ursache“ (der nichtexistierende Gott eine Ursache!) „ihres gegenwärtigen Elends. – In der Kommune ist kein Platz für die Pfaffen; jede religiöse Kundgebung, jede religiöse Organisation muß verboten werden.“
Und diese Forderung, die Leute par ordre du mufti2 in Atheisten zu verwandeln, ist unterzeichnet von zwei Mitgliedern der Kommune, die doch wahrlich Gelegenheit genug hatten, zu erfahren, daß erstens man ungeheuer viel auf dem Papier befehlen kann, ohne daß es darum ausgeführt zu werden braucht, und zweitens, daß Verfolgungen das beste Mittel sind, mißliebige Überzeugungen zu befördern! Soviel ist sicher: Der einzige Dienst, den man Gott heutzutage noch tun kann, ist der, den Atheismus zum zwangsmäßigen Glaubensartikel zu erklären und die Bismarckschen Kirchenkulturkampfgesetze durch ein Verbot der Religion überhaupt zu übertrumpfen.
Der zweite Punkt des Programms ist der Kommunismus. Hier finden wir uns schon viel heimischer, denn das Schiff, auf dem wir hier segeln, heißt: „Manifest der Kommunistischen Partei“3, veröffentlicht im Februar 1848. Bereits im Herbst 1872 hatten die aus der Internationalen austretenden fünf Blanquisten sich zu einem sozialistischen Programm bekannt, das in allen wesentlichen Punkten das des jetzigen deutschen Kommunismus war, und ihren Austritt nur damit begründet, daß die Internationale sich weigerte, nach Art dieser Fünf Revolution zu spielen. Jetzt adoptiert der Rat der Dreiunddreißig dies Programm mit seiner ganzen materialistischen Geschichtsanschauung, wenn auch die Übertragung desselben ins blanquistische Französisch gar manches zu wünschen läßt, soweit nicht das „Manifest“ ziemlich wörtlich beibehalten wurde, wie dies z. B. in folgendem Satz geschah:
„Als letzter Ausdruck aller Formen der Knechtschaft hat die Bourgeoisie die Ausbeutung der Arbeit der mystischen Schleier beraubt, die sie früher verhüllten: Regierungen, Religionen, Familie, Gesetze, Institutionen der Vergangenheit wie der Gegenwart stellten sich endlich dar, in dieser auf den einfachen Gegensatz von Kapitalisten und Lohnarbeitern zurückgeführten Gesellschaft, als die Werkzeuge der Unterdrückung, mit deren Hülfe die Bourgeoisie ihre Herrschaft aufrecht – und das Proletariat darniederhält.“
Hiermit vergleiche man das „Kommunistische Manifest“, Abschnitt I:
„Die Bourgeoisie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verbrämten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt. Sie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt. Sie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es in ein reines Geldverhältnis verwandelt“4 usw.
Sowie wir aber von der Theorie in die Praxis hinabsteigen, zeigt sich die Absonderlichkeit der Dreiunddreißig:
„Wir sind Kommunisten, weil wir bei unserm Ziel ankommen wollen, ohne uns an Zwischenstationen aufzuhalten, an Kompromissen, die nur den Sieg vertagen und die Sklaverei verlängern.“
Die deutschen Kommunisten sind Kommunisten, weil sie durch alle Zwischenstationen und Kompromisse, die nicht von ihnen, sondern von der geschichtlichen Entwicklung geschaffen werden, das Endziel klar hindurchsehn5; die Abschaffung der Klassen, die Errichtung einer Gesellschaft, worin kein Privateigentum an der Erde und an den Produktionsmitteln mehr existiert. Die Dreiunddreißig sind Kommunisten, weil sie sich einbilden, sobald sie nur den guten Willen haben, die Zwischenstationen und Kompromisse zu überspringen, sei die Sache abgemacht, und wenn es, wie ja feststeht, dieser Tage „losgeht“ und sie nur ans Ruder kommen, so sei übermorgen „der Kommunismus eingeführt“. Wenn das nicht sofort möglich, sind sie also auch keine Kommunisten. Kindliche Naivetät, die Ungeduld als einen theoretisch überzeugenden Grund anzuführen!
Endlich aber sind unsere Dreiunddreißig „Revolutionäre“. In diesem Fach ist nun, was die dick aufgeschwollenen Worte angeht, bekanntlich von den Bakunisten schon das Menschenmögliche geleistet; trotzdem aber haben unsere Blanquisten die Pflicht, sie noch zu übertreffen. Und wie? Bekanntlich hat das ganze sozialistische Proletariat, von Lissabon und New York bis Pest und Belgrad die Verantwortlichkeit für die Handlungen der Pariser Kommune sofort en bloc übernommen. Das genügt unseren Blanquisten nicht:
„Was uns angeht, so beanspruchen wir unsern Teil von Verantwortlichkeit für jene Hinrichtungen, die“ (unter der Kommune) „die Feinde des Volks getroffen haben“ (folgt die Aufzählung der Erschossenen), „wir beanspruchen unsern Teil der Verantwortlichkeit an jenen Brandstiftungen, die die Werkzeuge der monarchischen oder bürgerlichen Unterdrückung zerstörten oder die Kämpfenden beschützten.“
In jeder Revolution geschehen unvermeidlich eine Menge Dummheiten, gerade wie zu jeder andern Zeit, und wenn man sich endlich wieder Ruhe genug gesammelt hat, um kritikfähig zu sein, so kommt man notwendig zum Schluß: Wir haben viel getan, was wir besser unterlassen hätten, und wir haben viel unterlassen, was wir besser getan hätten, und deswegen ging die Sache schief. Welcher Mangel an Kritik liegt aber darin, die Kommune geradezu heilig zu sprechen, sie für unfehlbar zu erklären, zu behaupten, jedem Haus, das abgebrannt, jedem Geisel, der erschossen, sei genau und bis auf das Pünktchen überm i sein Recht widerfahren? Heißt das nicht behaupten, während der Maiwoche sind vom Volk gerade die Leute erschossen worden, und nicht mehr, die zu erschießen nötig war, gerade die Gebäude verbrannt, und nicht mehr, die verbrannt werden mußten? Heißt das nicht dasselbe wie von der ersten französischen Revolution sagen: Jedem einzelnen Geköpften ist recht geschehen, zuerst denen, die Robespierre köpfen ließ, und dann dem Robespierre selbst? Zu solchen Kindereien führt es, wenn im Grund ganz gutmütige Leute dem Drang, haarsträubend zu erscheinen, freien Lauf lassen.
Genug. Bei allen Flüchtlingstorheiten und bei allen ins Komische umschlagenden Versuchen, den Knaben Karl (oder Eduard?6) fürchterlich werden zu lassen, ist in diesem Programm ein wesentlicher Fortschritt nicht zu verkennen. Es ist das erste Manifest, worin französische Arbeiter sich zum jetzigen deutschen Kommunismus bekennen. Und noch dazu Arbeiter von derjenigen Richtung, die die Franzosen für das auserwählte Volk der Revolution, Paris für das revolutionäre Jerusalem hält. Sie dahin gebracht zu haben, ist das unbestrittene Verdienst Vaillants, der mitunterzeichnet hat und der bekanntlich die deutsche Sprache und die deutsche sozialistische Literatur gründlich kennt. Die deutschen sozialistischen Arbeiter aber, die 1870 bewiesen haben, daß sie vollständig frei sind von jedem nationalen Chauvinismus, werden es immerhin als ein gutes Zeichen ansehen dürfen, wenn französische Arbeiter richtige theoretische Grundsätze annehmen, obgleich sie aus Deutschland kommen.