MEW/22/ME22-186.html

[Grußadresse an die französischen Arbeiter
zum 20. Jahrestag der Pariser Kommune]

[„Le Socialiste“ Nr. 27
vom 25. März 1891]
London, den 17. März

Bürgerinnen und Bürger,

Heute vor zwanzig Jahren erhob sich das arbeitende Paris wie ein Mann gegen den verbrecherischen Anschlag der von Thiers geführten Bourgeois und Krautjunker. Diese Feinde des Proletariats erzitterten, als sie sahen, daß sich die Pariser Arbeiter bewaffnet und organisiert hatten zur Verteidigung ihrer Rechte. Thiers wollte sie der Waffen berauben, die sie so ruhmvoll gegen die ausländische Invasion gebraucht hatten und deren sie sich später mit noch größerem Ruhm gegen die Angriffe der Versailler Söldlinge bedienen sollten. Um das aufständische Paris zu besiegen, bettelten die Krautjunker und die Bourgeois um die Hilfe der Preußen und erhielten sie. Nach heroischem Kampf wurde Paris von der Übermacht des Feindes erdrückt und entwaffnet.

Seit nunmehr zwanzig Jahren sind die Arbeiter von Paris ohne Waffen, und so ist es überall; in allen großen zivilisierten Ländern ist das Proletariat der materiellen Verteidigungsmittel beraubt. Überall sind es die Feinde und Ausbeuter der Arbeiterklasse, die über die gesamte bewaffnete Streitmacht verfügen.

Doch wozu hat das geführt?

Dazu, daß heute, da jeder taugliche Mann durch die Armee geht, diese Armee mehr und mehr die Gefühle und Ansichten des Volkes widerspiegelt, daß diese Armee, das Hauptwerkzeug der Unterdrückung, von Tag zu Tag unzuverlässiger wird. Schon sehen die Männer an der Spitze aller großen Staaten mit Schrecken den Tag nahen, an dem die unter Waffen stehenden Soldaten sich weigern werden, ihre Brüder und ihre Väter zu massakrieren. Wir haben das in Paris gesehen, als der Tongkinese1 sich erdreistete, Anspruch auf die Präsidentschaft der Französischen Republik zu erheben; wir sehen dies heute in Berlin, wo der Nachfolger Bismarcks2 vom Reichstag3 Mittel fordert, um den Geist des Gehorsams in der Armee durch Unteroffiziere zu festigen, die mit Geldprämien gekauft sind, und das, weil es unter den Unteroffizieren zu viele Sozialisten gebe!

Wenn derartige Dinge geschehen, wenn auch schon in der Armee die Morgendämmerung anbricht, dann ist das Ende der alten Welt nicht mehr allzu weit.

Mögen sich die Geschicke erfüllen! Möge die im Verfall befindliche Bourgeoisie abtreten oder untergehen, und es lebe das Proletariat! Es lebe die internationale soziale Revolution!

F. Engels

Aus dem Französischen.

Quelle: Marx/Engels: Werke, Bd. 22, Berlin: Dietz Verlag 1963, S. 186-187.