MEW/22/ME22-124.html

VII

Gehn wir nun zum Schluß noch kurz ein auf das, was Herr Gladstone in jener durch Herrn Brentano in der Tat „berichtigt“ gewordenen Stelle seiner Budgetrede von 1863 gesagt und was Marx von dem Gesagten zitiert, resp. „hinzugelogen“ oder „unterschlagen“ hat. Um Herrn Brentano möglichst entgegenzukommen, nehmen wir zur Grundlage den unbefleckten Hansard, und zwar in seiner eignen Übersetzung.

„In zehn Jahren, von 1842 bis 1852 inkl., hat sich das steuerpflichtige Einkommen des Landes, so genau wir dies ergründen können, um 6% vermehrt; aber in acht Jahren, von 1853 bis 1861, hat das Einkommen des Landes auf der angenommenen Basis abermals um 20% zugenommen. Dies ist eine Tatsache, so außerordentlich und staunenswert, daß sie beinahe unglaublich erscheint.“

Gegen Marx' Zitat dieses Satzes hat Herr Brentano selber nichts einzuwenden; außer daß es angeblich der „Theory of the Exchanges“ entlehnt sei. Über Herrn Brentanos Zitat aber ist hier zu sagen, daß auch er weit davon entfernt ist, „die wirkliche Budgetrede“ zu geben. Er beseitigt Herrn Gladstones nun folgenden Exkurs über die Ursachen dieser staunenswerten Vermehrung, ohne auch nur die Auslassung durch Punkte anzudeuten. – Weiter:

„So, Herr Präsident, verhält sich die Sache, was die allgemeine Zunahme der Anhäufung angeht. Aber was mich angeht, so muß ich sagen, daß ich mit Schmerz und mit großer Besorgnis auf dieses außerordentliche und beinahe berauschende Wachstum sehn würde, wenn ich glauben müßte, daß es auf diejenige Klasse von Personen beschränkt sei, die als in angenehmen Verhältnissen befindlich zu bezeichnen ist. Die Zahlen, die ich angeführt habe, nehmen wenig oder gar keine Kenntnis von der Lage derjenigen, welche keine Einkommensteuer bezahlen, oder mit anderen Worten: Obwohl sie zur Kenntnis der Wahrheit im allgemeinen hinreichend genau sind, nehmen sie keine Kenntnis von dem Eigentum der Arbeiterbevölkerung und von der Zunahme ihres Einkommens.“

Hier folgt nun der nach Herrn Brentano von Marx „hinzugelogene“, nach dem Zeugnis der sämtlichen acht Morgenzeitungen vom 17. April aber unbedingt von Herrn Gladstone gesprochene Satz:

„Die Vermehrung, die ich beschrieben habe und die, wie ich denke, auf genauen Erhebungen beruht, ist eine Vermehrung, gänzlich beschränkt auf Klassen, die Eigentum besitzen.“ („Times“, „Morning Star“, „Morning Advertiser“, „Daily Telegraph“.) „...ist gänzlich beschränkt auf die Vermehrung des Kapitals“. („Morning Herald“, „Standard“, „Daily News“, „Morning Post“.)

Hansard fährt nach „Einkommens“ sogleich fort mit den Worten:

„Indirekt ist allerdings die bloße Zunahme des Kapitals von dem äußersten Vorteil für die Arbeiterklasse, weil diese Zunahme die Ware verbilligt, welche in dem ganzen Produktionsprozeß mit der Arbeit unmittelbar in Konkurrenz kommt.“

Hansard, trotzdem er den „berüchtigten“ Satz ausläßt, sagt in der Sache ganz dasselbe, was die übrigen Blätter sagen: Es würde dem Redner sehr fatal sein, wenn diese berauschende Zunahme beschränkt wäre auf classes in easy circumstances1, aber trotzdem es ihm sehr leid tue, sei diese von ihm beschriebene Vermehrung auf Leute beschränkt, die nicht zur Arbeiterklasse gehören und die reich genug seien, Einkommensteuer zu zahlen, ja, sie sei in der Tat eine „bloße Zunahme des Kapitals“!

Und hier enthüllt sich endlich das Geheimnis des Zorns des Herrn Brentano. Er liest den Satz in der Inauguraladresse, findet darin ein fatales Zugeständnis, verschafft sich die Version Hansards, findet darin nicht den fatalen Satz und schreibt nun eiligst in die Welt hinaus: Marx hat den Satz formell und materiell hinzugelogen! – Marx weist ihm den Satz nach in der „Times“, dem „Morning Star“, dem „Morning Advertiser“. Jetzt endlich muß Herr Brentano wenigstens anscheinend eine „eingehende Textvergleichung“ anstellen und entdeckt, nun – was? Daß „Times“, „Morning Star“, „Morning Advertiser“ „materiell völlig übereinstimmen“ mit Hansard! Leider übersieht er, daß dann auch der „hinzugelogene“ Satz materiell völlig übereinstimmen muß mit Hansard und daß dann schließlich sich auch herausstellen dürfte die materielle Übereinstimmung Hansards mit der Inauguraladresse.

Der ganze Lärm also nur, weil Herr Brentano es unterlassen hatte, die ihm von Herrn Sedley Taylor angedichtete eingehende Textvergleichung anzustellen, und in der Tat selbst nicht verstanden hatte, was Herr Gladstone nach Hansard gesagt. Allerdings war dies nicht ganz leicht, denn obwohl Herr Brentano behauptet, diese Rede habe „das Aufsehen und die Bewunderung der ganzen gebildeten Welt erregt ..., und zwar insbesondere wegen ... ihrer Klarheit“, haben die Leser sich überzeugen können, daß sie nach Hansard in einer äußerst geschraubten, verzwickten und verlauserten, sich in ihren eignen Wiederholungen festreitenden Sprache gehalten ist. Insbesondere ist der Satz, daß die Zunahme des Kapitals von äußerstem Vorteil für die Arbeiter ist, weil sie die Ware verbilligt, die im Produktionsprozeß mit der Arbeit unmittelbar in Konkurrenz kommt, reiner Blödsinn. Wenn eine Ware mit der Arbeit in Konkurrenz kommt und diese Ware (z.B. Maschinerie) wird verbilligt, so ist erstes und nächstes Resultat: Fallen der Löhne, und das wäre nach Herrn Gladstone „von dem äußersten Vorteil für die Arbeiterklasse“2! Wie menschenfreundlich haben da einige Londoner Morgenblätter, z.B. der „Morning Star“, gehandelt, indem sie in ihren „notwendig stümperhaften“ Berichten dem obigen unbegreiflichen Satz das unterschoben, was Herr Gladstone wahrscheinlich hatte sagen wollen, nämlich daß Kapitalvermehrung dem Arbeiter nütze durch Verwohlfeilerung der Hauptkonsumtionsartikel!

Ob Herr Gladstone, als er sagte, er müsse mit Schmerz und großer Besorgnis auf dieses berauschende Wachstum sehn, wenn er glauben müßte, es sei beschränkt auf Klassen in wohlhabenden Umständen – ob Gladstone dabei an ein andres Wachstum des Reichtums dachte als das, wovon er sprach, nämlich an die nach seiner Meinung bedeutend verbesserte Lage der ganzen Nation; ob er momentan vergaß, daß er von der Einkommensvermehrung der Einkommensteuer zahlenden Klassen sprach und von keiner andern, das können wir nicht wissen. Marx ist der Fälschung angeklagt, und da handelt es sich um den Wortlaut und dessen grammatischen Sinn, um das, was Herr Gladstone gesagt hat, nicht um das, was er möglicherweise hat sagen wollen. Das letztere weiß Herr Brentano ebenfalls nicht, und auch Herr Gladstone ist dafür, nach 273 Jahren, keine kompetente Autorität mehr. Und in keinem Fall geht es uns etwas an.

Also der sonnenklare Sinn der Worte ist der: Das steuerpflichtige Einkommen hat eine berauschende Vermehrung erfahren. Es würde mir sehr leid tun, wäre diese soeben beschriebene Vermehrung beschränkt auf die wohlhabenden Klassen, aber sie ist auf diese beschränkt, da die Arbeiter kein steuerpflichtiges Einkommen haben, sie ist also eine bloße Zunahme des Kapitals! Aber auch diese ist von Vorteil für die Arbeiter, weil sie usw.

Und nun Marx:

„Diese berauschende Vermehrung von Reichtum und Macht ... ist ganz und gar auf die besitzenden Klassen beschränkt.“

Soweit steht der Satz in der Inauguraladresse, wo er den Anlaß gab zu diesem ganzen artigen Streit. Aber seitdem Herr Brentano nicht mehr zu behaupten wagt, Marx habe ihn hinzugelogen, seitdem wird von der Inauguraladresse gar nicht mehr gesprochen, und alle Angriffe richten sich gegen das Zitat jener Stelle im „Kapital“. Dort fügt Marx noch den folgenden Satz hinzu:

„aber ... aber sie muß von indirektem Vorteil für die Arbeiterbevölkerung sein, weil sie die Artikel der allgemeinen Konsumtion verwohlfeilt“.

Die „willkürlich zusammengewürfelte Mosaik aus dem Zusammenhang gerissener Sätze“ bei Marx sagt also „materiell“, „nur formell mehr zusammengezogen“, genau das, was der fleckenlose Hansard Herrn Gladstone sagen läßt. Der einzige Vorwurf, der Marx treffen kann, ist der, daß, indem er den „Morning Star“ benutzte und nicht Hansard, er Herrn Gladstone im Schlußsatz Sinn in den Mund legt, wo derselbe Unsinn gesprochen hatte.

Weiter nach Hansard:

„Aber außerdem, kann man mit Sicherheit behaupten, sind der Masse des Volks unmittelbarere und größere Vorteile zuteil geworden. Es ist eine Sache tiefen und unschätzbaren Trostes, zu erwägen, daß, während die Reichen reicher, die Armen weniger arm geworden sind. Ich will mich nicht unterfangen zu bestimmen, ob die weite Kluft, welche die äußersten Enden von Reichthum und Armut trennt, weniger oder mehr weit als in früheren Zeiten geworden ist.“

Bei Marx:

„... während die Reichen reicher, sind die Armen jedenfalls weniger arm geworden. Daß die Extreme der Armut sich verändert haben, wage ich nicht zu sagen.“

Marx gibt nur die beiden dünnen positiven Aussagen, die bei Hansard in einer ganzen Suppenschüssel ebenso nichtssagender wie salbungsvoller Redensarten schwimmen. Daß sie dadurch nichts verlieren, sondern eher gewinnen, kann man mit Sicherheit behaupten.

Endlich zum Schluß nach Hansard:

„Aber wenn wir die Durchschnittslage des britischen Arbeiters betrachten, sei er Bauer oder Bergmann, ungelernter oder gelernter Arbeiter, so wissen wir aus mannigfachen und unzweifelhaften Zeugnissen, daß in den letzten zwanzig Jahren eine derartige Vermehrung seiner Mittel zum Leben stattgefunden hat, daß wir sie beinahe für beispiellos in der Geschichte jeglichen Landes und jeglichen Zeitalters erklären können.“

Dieser Satz ist in der Inauguraladresse wenige Zeilen vor dem obigen „berüchtigten“ zitiert. Es heißt dort:

„Solcherart sind die offiziellen Angaben, veröffentlicht auf Befehl des Parlaments im Jahre 1864, während des Tausendjährigen Reichs des Freihandels, zu einer Zeit, als der Schatzkanzler dem Unterhaus sagte:

„Die Durchschnittslage des britischen Arbeiters hat sich gehoben in einem Grad, von dem wir wissen, daß er außerordentlich ist und beispiellos in der Geschichte aller Länder und Zeiten.‘“

Also alles Wesentliche angeführt. Daß dies aber in der Inauguraladresse, Originalausgabe, S.4, zu lesen, diese Tatsache unterschlägt Herr Brentano hartnäckig seinen Lesern, die ihn allerdings nicht kontrollieren können, denn wir können unmöglich jedem derselben ein Exemplar der Adresse verehren, wie mit Herrn Sedley Taylor geschehn.

Notabe: In seiner zweiten Antwort (Dokumente, Nr.6)4 hatte Marx nur die Inauguraladresse zu verteidigen, denn bis dahin hatte Herr Brentano die Stelle im „Kapital“ noch gar nicht in den Bereich seiner Nörgelei gezogen. Auch in der darauf erfolgten Duplik (Dokumente, Nr.7)5 richtet sich Herrn Brentanos Angriff noch immer gegen die Inauguraladresse und Marx’ Verteidigung derselben.

Erst nach Marx’ Tode erfolgt die neue Wendung, und zwar nicht durch Herrn Brentano, sondern durch seinen Cambridger Schildknappen. Erst jetzt wird entdeckt, daß Marx die volltönenden Beteuerungen des Herrn Gladstone von der beispiellosen Hebung der Lage der britischen Arbeiter im „Kapital“ unterdrückt und dadurch Herrn Gladstones Sinn in sein Gegenteil verkehrt hat.

Und hier müssen wir konstatieren, daß Marx sich eine brillante rhetorische Wendung hat entgehen lassen. Der ganze Abschnitt, in dessen Einleitung diese Rede Gladstones zitiert wird, hat zum Zweck, Belege dafür zu liefern, daß die Lage der großen Mehrzahl der britischen Arbeiterklasse, gerade zur Zeit dieser berauschenden Reichtumsvermehrung, eine gedrückte und unwürdige war. Welchen prächtigen Kontrast zu diesen aus den amtlichen Veröffentlichungen des Parlaments selbst gezogenen Belegen von Massenelend hätten gerade jene pomphaften Worte Gladstones geliefert von der in der Geschichte aller Länder und Zeiten beispiellosen, glücklichen Lage der britischen Arbeiterklasse!

Wollte aber Marx auf diesen rhetorischen Effekt verzichten, so hatte er gar keinen Grund, diese Worte Gladstones zu zitieren. Erstens sind sie nichts als die stehende Phrase, die in guten und selbst erträglichen Geschäftszeiten jeder britische Schatzkanzler zu wiederholen für Anstands pflicht hält; sie sind daher bedeutungslos. Zweitens aber hat Gladstone selbst innerhalb Jahresfrist sie widerrufen, indem er in seiner nächstfolgenden Budgetrede vom 7. April 1864, zu einer Zeit noch höher gesteigerter industrieller Prosperität, von Massen „am Rand des Pauperismus“ spricht und von den Geschäftszweigen, „worin der Lohn nicht gestiegen“, und ausruft – nach Hansard:

„Und wiederum und noch mehr im Großen, was ist das menschliche Leben in der Mehrzahl der Fälle, als ein Kampf ums Dasein?“(1)

Diese weitere Budgetrede Gladstones aber zitiert Marx unmittelbar nach der von 1863, und wenn so Herr Gladstone selbst am 7. April 1864 die beispiellosen Segnungen für nicht existierend erklärte, für deren Existenz er am 16. April 1863 „mannigfache und unzweifelhafte Zeugnisse“ besaß, so fiel für Marx auch der letzte Schein eines Grundes weg, diese schwunghaften, aber leider selbst für Herrn Gladstone nur ephemeren Beteuerungen zu zitieren. Er konnte sich mit den Zugeständnissen des Redners begnügen, daß, während die Einkommen von 150 Pfd. St. und darüber sich in berauschender Weise vermehrt, die Armen jedenfalls weniger arm geworden seien und die Kluft zwischen äußerstem Reichtum und äußerster Armut sich schwerlich vermindert habe.

Wir wollen gar nicht davon reden, daß es die Manier der offiziellen deutschen Ökonomen ist, Marx in aus dem Zusammenhang gerissenen Sätzen zu zitieren. Hätte er bei jedem solchen Zitat ein Geschrei erheben wollen wie hier Herr Brentano, er wäre nie damit fertig geworden.

Betrachten wir indes etwas näher die beispiellose Vermehrung der Mittel zum Leben, deren der britische Arbeiter, Bauer oder Bergmann, gelernter oder ungelernter Arbeiter, sich damals erfreute.

Der Bauer ist in England und dem größten Teil von Schottland nur Ackerbautaglöhner. Deren gab es 1861 im ganzen 1098261, davon als Gesinde auf dem Pachthof wohnend 204962.(2) Von 1849 bis 1859 war sein Geldlohn um 1, in einigen Fällen um 2 Shill. die Woche gestiegen, doch blieb dies in letzter Instanz meist nur nominelle Erhöhung. Wie seine Lage 1863 war, in welchen wahrhaft hündischen Wohnungsverhältnissen er lebte, hat Dr.Hunter („Public Health, VII. Report, 1864“) geschildert:

„Die Kosten, die der Landarbeiter verursacht, sind fixiert auf den niedrigsten Betrag, wovon er leben kann.“

Nach demselben Bericht steht die Lebensmittelzufuhr eines Teils der Taglöhnerfamilien (besonders in acht namentlich angegebenen Grafschaften) unter dem zur Abwehr von Hungerkrankheiten absolut erforderlichen Minimum. Und Professor Thorold Rogers, ein politischer Anhänger Gladstones, erklärt 1866 („History of Agriculture and Prices“), de Landtaglöhner sei wieder ein Leibeigner geworden, und zwar, wie er ausführlich nachweist, ein schlecht genährter und behauster Leibeigner, viel schlechter dran als sein Vorfahr zu Arthur Youngs Zeit (1770 bis 1780) und unvergleichlich viel schlechter als der Taglöhner im 14. und 15.Jahrhundert. – Mit dem „Bauern“ hat Gladstone also entschieden kein Glück.

Wie steht's mit dem „Bergmann“? Dafür haben wir den Parlamentsbericht von 1866. Bergleute arbeiteten 1861 im Vereinigten Königreich 565875, davon in Kohlengruben 246613. In den letzteren hat der Lohn der Männer sich um ein Geringes gehoben, auch haben sie meist die Achtschicht, während die Jungen 14 bis 15 Stunden arbeiten müssen. Die Grubeninspektion ist eine reine Posse: Für 3217 Gruben sind 12 Inspektoren da! Die Folge ist, daß das Leben der Bergleute massenweise in größenteils vermeidlichen Explosionen geopfert wird; für das bißchen Lohnerhöhung entschädigen sich die Grubenbesitzer allgemein durch Lohnabzüge vermittelst falschen Maßes und Gewichts. In den Metallbergwerken sind nach Bericht der Royal Commission von 1864 die Zustände noch schlechter.

Aber der „gelernte“ Arbeiter? Nehmen wir die Metallarbeiter, im ganzen 396998. Darunter mögen 70000 bis 80000 Maschinenschlosser sein, und deren Lage war in der Tat gut dank der Widerstandskraft ihres alten, starken und reichen Fachvereins. Auch bei den übrigen Metallarbeitern, soweit sie Körperkraft und Geschicklichkeit besitzen mußten, war eine gewisse Hebung eingetreten, wie sie in der seit 1859 und 1860 wieder besser gewordnen Geschäftszeit natürlich war. Dagegen war die Lage der mitbeschäftigten Weiber und Kinder (in Birmingham und Umgegend allein 10000 Weiber und 30000 unter 18 Jahren) elend genug und die der Nagelschmiede (26130) und Kettenschmiede äußerst elend.

Bei der Textilindustrie geben die 456646 Baumwollspinner und Weber, wozu noch 12556 Kattundrucker kommen, den Ausschlag. Und diese müssen sich sehr gewundert haben, von ihrem beispiellosen Glück zu hören – im April 1863, auf der Höhe der Baumwollnot und des Amerikanischen Bürgerkriegs, um die Zeit, wo (Oktbr. 1862) 60% der Spindeln und 58% der Webstühle stillstanden und die übrigen nur 2–3 Tage die Woche arbeiteten; wo über 50000 Baumwollarbeiter, einzelne oder mit Familien, von der Armenverwaltung oder dem Unterstützungskomitee unterstützt und (März 1863) 135625 vom selben Komitee in öffentlichen Arbeiten oder in Nähschulen gegen Hungerlohn beschäftigt wurden! (Watts, „The Facts of the Cotton Famine“, 1866, p.211.) – Den übrigen Textilarbeitern, besonders der Wollen- und Leinenbranche, ging es relativ gut, der Ausfall der Baumwolle hob ihre Beschäftigung.

Und wie es mit einer Reihe kleinerer Geschäftszweige aussah, darüber geben uns die Berichte der Children’s Employment Commission die beste Auskunft: Strumpfwaren – 120000 Arbeiter, davon nur 4000 durch den Fabrikakt geschützt, von den übrigen viele ganz junge Kinder, kolossale Überarbeitung; Spitzenklöppeln und Appretieren, meist Hausindustrie – von 150000 Arbeitern nur 10000 durch den Fabrikakt geschützt, kolossale Überarbeitung von Kindern und Mädchen; Strohflechten und Strohhutmachen – 40000, fast nur Kinder, schändlich abgerackert; endlich die Konfektion von Kleidern und Schuhwerk, beschäftigend 370218 Arbeiterinnen für Oberkleidung und Putz, 380716 ditto für Unterkleidung und – in England-Wales allein – 573380 männliche Arbeiter, davon 273223 Schuhmacher und 146042 Schneider, wovon 1/51/4 unter 20 Jahren. Von diesen 11/4 Millionen waren höchstens 30% der Männer, als für Privatkundschaft beschäftigt, erträglich gestellt. Der Rest verfiel, wie alle in diesem Absatz angeführten Geschäftszweige, der Ausbeutung durch Zwischenhände, Faktoren, Verleger, sweaters, wie man sie in England nennt, und dies allein kennzeichnet ihre Lage: riesige Überarbeitung bei kümmerlichstem Lohn.

Nicht besser sah es aus, was das „beispiellose“ Glück der Arbeiter angeht, in der Papierfabrikation (100000 Arbeiter, die Hälfte Weiber), Töpferei (29000), Hutmacherei (15000 in England allein), Glasindustrie (15000), Buchdruckerei (35000), Anfertigung künstlicher Blumen (11000) usw. usw.

Kurz, die Children's Employment Commission verlangte, daß nicht weniger als 1400000 in der Industrie beschäftigte Weiber, junge Leute und Kinder unter den Schutz des Fabrikakts gestellt würden, um sie vor großenteils ruinierender Überarbeitung zu schützen.

Endlich betrug die Zahl der auf Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln angewiesenen Paupers 1863: 1079382.

Hiernach können wir eine ungefähre Aufstellung derjenigen Arbeiter machen, denen es 1863 unzweifelhaft sehr schlecht ging: Landtaglöhner in runder Zahl 1100000, Baumwollarbeiter 469 000, Näherinnen und Putzmacherinnen 751 000, Schneider und Schuster, nach Abzug von 30%, 401000, Spitzenmanufaktur 150 000, Papierfabrikation 100 000, Strumpfwirkerei 120000, kleinere von der Ch. Empl. Comm. untersuchte Geschäftszweige 189000, endlich Paupers 1079000. Zusammen 4549000 Arbeiter, wozu in manchen Fällen noch deren Familienglieder kommen.

Und das Jahr 1863 war ein gutes Geschäftsjahr. Die Krise von 1857 war vollauf überwunden, die Nachfrage war in raschem Steigen, mit Ausnahme der Baumwollindustrie waren fast alle Geschäftszweige reichlich beschäftigt. Wo steckt denn da die „beispiellose“ Hebung?

Die Fabrikgesetzgebung der vierziger Jahre hatte die ihr unterworfenen Arbeiter entschieden gehoben. Aber dies kam 1863 nur den in Wolle, Leinen und Seide beschäftigten Arbeitern zugut, in allem rund 270000, während die Baumwollarbeiter am Hungertuch nagten. Für Bleichereien und Färbereien bestand der gesetzliche Schutz nur auf dem Papier. Ferner: In Geschäftszweigen, wo volle Manneskraft und manchmal auch Geschicklichkeit unumgänglich sind, hatte der in Fachvereinen organisierte Widerstand der Arbeiter diesen einen Anteil an den Erträgnissen der günstigen Geschäftszeit in Form höherer Löhne erzwungen, und man kann sagen, daß im Durchschnitt dieser Geschäftszweige der schweren Männerarbeit die Lebenshaltung der Arbeiter sich entschieden gehoben hatte, wenn es auch lächerlich bleibt, solche Hebung als „beispiellos“ hinzustellen. Während aber die große Masse der produktiven Arbeit auf Maschinen abgewälzt ist, die von schwächlichen Männern, von Weibern und unreifen Arbeitern bedient werden, beliebten die Politiker noch immer die starken, bei schwerer Arbeit beschäftigten Männer als die einzigen Arbeiter zu behandeln und nach deren Lage die der ganzen Arbeiterklasse zu beurteilen.

Gegen obige 4½ Millionen schlechtgestellter Arbeiter und Paupers haben wir nun als gutgestellt 270000 Textilarbeiter in Wolle, Leinen und Seide. Ferner können wir annehmen, daß von den 376 000 Metallarbeitern ein Drittel gut, ein zweites Drittel mittelmäßig und nur das letzte Drittel, worunter die Arbeiter unter 18 Jahren, die Nagler, Kettenschmiede und die Weiber, schlechtgestellt war. Die Stellung der 566000 Bergleute wollen wir als im Durchschnitt mittelgut passieren lassen. Als gut kann die Lage der Bauhandwerker angenommen werden, die der Baumwolldistrikte abgerechnet. Von Möbelschreinern waren höchstens 1/3 gut gestellt, die große Masse arbeitete für aussaugende Verleger (sweaters). Bei den Angestellten der Eisenbahnen herrschte schon damals die kolossale Überarbeitung, die erst in den letzten 20 Jahren organisierten Widerstand hervorgerufen hat. Kurz, alles in allem werden wir kaum eine Million herausrechnen, von der wir sagen können, daß ihre Lage sich gehoben hat im Verhältnis zur Hebung des Geschäfts und der Profite des Kapitalisten; was dann noch übrigbleibt, befindet sich in einer Mittellage, hat einige, im ganzen unbedeutende Vorteile von der bessern Geschäftszeit oder besteht aus derart nach Geschlecht und Alter gemischten Arbeitskräften, daß die Besserstellung der Männer wieder ausgeglichen wird durch die Überarbeitung der Weiber und jugendlichen Arbeiter.

Und wenn dies noch nicht genügt, so vergleiche man die „Berichte über Public Health“, die ebendeshalb nötig wurden, weil die „beispiellose“ Hebung der Arbeiterklasse in den 20 Jahren bis 1863 sich äußerte in Typhus, Cholera andern lieblichen Seuchen, die endlich auch aus den Arbeitervierteln in die vornehmen Gegenden der Städte drangen. Hier wird die beispiellose „Vermehrung der Mittel zum Leben“ des britischen Arbeiters nach Wohnung und Nahrung untersucht und gefunden, daß in zahllosen Fällen seine Wohnung ein reiner Seuchenherd und seine Nahrung knapp an oder gar unter der Grenze steht, unter welcher Hungerkrankheiten notwendig erzeugt werden.

Das also war die wirkliche Lage der britischen Arbeiterklasse am Anfang des Jahres 1863. So sah die „beispiellose“ Hebung der Arbeiterklasse aus, womit Herr Gladstone großtut. Und wenn man Marx einen Vorwurf machen kann, so ist es der, daß er durch Hinweglassung jener renommistischen Äußerung Herrn Gladstone einen unverdienten Gefallen getan hat.

Schluß: Erstens hat Marx nichts „hinzugelogen“.

Zweitens hat er nichts „unterschlagen“, worüber Herr Gladstone ein Recht hätte, sich zu beklagen.

Und drittens beweist die dekapodenartige Festssaugung des Herrn Brentano und seiner Genossen an dieses einzige Zitat aus den vielen Tausenden von Zitaten in Marx' Schriften, daß sie nur zu gut wissen, „wie Karl Marx zitiert“ – nämlich richtig.

Quelle: Marx/Engels: Werke, Bd. 22, Berlin: Dietz Verlag 1963, S. 124-133.